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Sonntag, 28. November 2010

FC Ingolstadt 04 1 1. FC Union Berlin 0

2. Bundesliga
Audi-Sportpark, Ingolstadt
Zuschauer: 5500 (500)


In der Saison 1979/80 kam es zum damaligen Höhepunkt in der unspektakulären Geschichte des Ingolstädter Fussballs, als der MTV 1881 Ingolstadt und der ESV Ingolstadt in der Süd-Gruppe der 2. Bundesliga zum Derby aufeinandertrafen. Danach erschien der Firmenstandort des deutschen Automobilherstellers Audi erst wieder nach der Fusion der beiden Stadt-Vereine im Jahr 2004 auf der nationalen Landkarte - anfänglich noch in der Bayernliga führte der Weg von Ingolstadt rasch in die (eingleisige) zweite Bundesliga, sodass ein Umzug ins kurzfristig modernisierte ESV-Stadion nötig wurde. Zur gleichen Zeit wurde in einem peripheren Industriegebiet im Südosten der Stadt an einer modernen Arena gebaut, so dass es nun zum dritten Mal nach Ingolstadt gehen sollte.



Im Abstiegskampf gegen Union Berlin waren die Hausherren von Beginn weg überlegen, mussten aber trotz besten Gelegenheiten (und einem Pfostentreffer) gegen Ende der ersten Halbzeit ohne Torerfolg in die Kabinen gehen. Im zweiten Durchgang kamen die ersatzgeschwächten "Eisernen" aus dem Nichts zu einem Lattentreffer von Benyamina, der die Torumrandung eine Viertelstunde vor dem Abpfiff noch ein zweites Mal testete. Insgesamt war Ingolstadt jedoch spielbestimmend, was in der 86. Minute belohnt wurde, als ein Freistoss von Captain Leitl an allen Akteuren vorbei im Netz der Hauptstädter landete. Der Audi-Sportpark (Baukosten: ca. 20 Millionen Euro) ist ein einstöckiger Neubau mit roten Sitzschalen - und dem schwarzen Schriftzug "FC04". Ausserdem wurden auf den Hintertorseiten auch grosszügige Stehränge für beide Fangruppen eingeplant.



Auf den Rängen war "Eisern Union" an diesem Nachmittag zweifellos tonangebend. Als Intro gab es neben dem Spruchband "FC Union rockt die Bude!" eine grosse Menge an Papierschnitzeln und Wurfrollen zu sehen, was sich im Laufe des Spiels (in geringerem Umfang) mehrmals wiederholen sollte. Die Gästeanhang war um einen durchgängigen Support - sowohl mit längeren Gesängen als auch mit Schwenkfahnen - bemüht, während sich die kleine Gruppe Heimfans nur unregelmässig zu Wort meldete. Im Gästeblock waren nach dem Pausentee einige rote und weisse Luftballons zu sehen, was sich in Verbindung mit einem dreiteiligen Spruchband als Geburtstagsaktion für einen Union-Fanclub herausstellte: "9 Years Red And White. Union Berlin Our Pride. 9 Jahre East Devils."

Samstag, 6. Februar 2010

FC Energie Cottbus 1 TuS Koblenz 1

2. Bundesliga (DE2)
Stadion der Freundschaft, Cottbus
Zuschauer: 8210 (100)


Im Nachtzug wurde der Ausflug nach Berlin fortgesetzt, wo es pünktlich mit einem polnischen Eurocity weiter ins grenznahe Städtchen Cottbus/Chóśebuz (zweisprachige Ausschilderung) ging. Der letzte (fehlende) Ground der 2. Bundesliga sollte endlich gekreuzt werden, was in der tief verschneiten Lausitz längere Zeit auf der Kippe stand. Am Spieltag war das Spielfeld allerdings geräumt, sodass einem brisanten Abstiegskampf nichts mehr im Wege stand. Die Gäste aus Koblenz konnten dabei auf eine Hundertschaft treuer Anhänger zählen, deren Support im kleinen Rahmen durchaus als regelmässig und optisch ansprechend zu bezeichnen war, gab es doch oft mehrere Schwenkfahnen in Bewegung zu sehen. Die heimische Fankurve liess zu Beginn mit einem Spruchband ("Gemeinsam wieder vorwärts streben - alle in den Mittelblock H!") aufhorchen.



In der Tat war es augenfällig, dass die akustische Unterstützung in der Folge mehrheitlich von einem Block auf der linken Seite der Tribüne kam. Optisch wurde, abgesehen von einem weiteren Transparent gegen den eigenen Keeper ("Tremmel: Gerade machen statt krumme Deals!"), von Seiten der Cottbuser nichts mehr geboten. Aber auch die lautstarken Gesänge verwandelten sich, nachdem Koblenz mit der ersten Gelegenheit in Führung ging (11.), alsbald in (ebenso) hörbare Unmutsäusserungen - wahlweise gegen den kleinlich agierenden Unparteiischen oder gegen die eigene Mannschaft. Der Auftritt von Energie Cottbus war im ersten Durchgang wahrlich desolat. Erst in den finalen Minuten vor der Pause waren Ansätze gelungener Spielzüge auszumachen, die dank allgemeiner Unfähigkeit der eigenen Stürmer jedoch allesamt kläglich vergeben wurden.



Die Lausitzer durften ihren Kontrahenten danken, dass diese zu Beginn des zweiten Durchgangs zwei hochkarätige Möglichkeiten - jeweils von halbrechts alleine auf den Torhüter losgezogen - ausliessen, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Als drei Viertel der Spielzeit vergangen waren, legte Energie nochmals zu. Vom wiedererwachten Publikum lautstark angetrieben, erspielte sich Cottbus mehrere Torchancen, scheiterte allerdings entweder an der eigenen Unfähigkeit oder am bärenstarken Gästekeeper Paucken. In der 82. Minute traf Pedersen, zuvor erst eingewechselt, schliesslich doch noch freistehend per Kopf zum 1:1-Endstand. Das Stadion der Freundschaft wurde vor Kurzem renoviert: Es verfügt nun über drei überdachte Tribünen mit roten Sitzschalen, wovon eine zweistöckig - und mit dem Schriftzug "Energie Cottbus" versehen - ist. Hinter dem anderen Tor und in den geschlossenen Ecken wurden grosszügige Stehplätzebereiche installiert.

Freitag, 4. Dezember 2009

1. FC Union Berlin 1 FC Energie Cottbus 1

2. Bundesliga
Stadion an der alten Försterei, Berlin
Zuschauer: 18212 (1212)


In der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland galt es ein aussergewöhnliches Bauwerk zu besuchen. Das altehrwürdige Stadion an der alten Försterei wurde von einer Vielzahl an Union-Supportern (insgesamt 140'000 Arbeitsstunden) in Eigenregie an die Anforderungen des Profi-Fussballs angepasst, nachdem der Kultverein zuvor in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ausweichen musste (O-Ton: "Im Zeitalter der multifunktionalen Kommerz-Arenen wird hier im Stadtteil Köpenick also der Gegenentwurf zum Event-Mainstream verwirklicht und gelebt."). Das Ergebnis darf sich wahrlich sehen lassen - entstanden ist ein äusserst kompaktes Stadion mit hervorragender Akustik und einer signifikanten Überzahl an Stehplätzen (nur 2'460 Sitzschalen).



Das Direktduell zwischen den Bundesländern Berlin (Union) und Brandenburg (Cottbus) war zwar nicht frei von Brisanz, aber insgesamt so friedfertig, dass nichts den verhältnislosen Polizeiauftritt (über 1'000 Einsatzkräfte) gerechtfertigt hätte. Die Gastgeber zeigten zu Beginn eine ansehnliche Choreographie, als eine riesige Zaunfahne ("Hexenkessel Alte Försterei") mit einigen Fackeln und Rauchtöpfen (inkl. optischer Umrahmung) gezeigt wurde. Im nicht ausverkauften Gästeblock, wo man nur auf namentliche Registrierung ein Ticket erwerben konnte, zeigte man zu Beginn beider Halbzeiten ein Spruchband ("Gruss an alle unnormalen Fans des FCE ohne Mitgliederausweis und Dauerkarte" und "Auf in eine neue Zukunft Fandrich, Bittroff, Straith und Co.").



Beide Fangruppen waren um einen stimmungsvollen Rahmen bemüht, vor allem die "Eisernen" sorgten für Gänsehaut. Aber auch die Gäste aus der Lausitz wussten sich mit geschlossenen Schlachtrufen regelmässig in Szene zu setzen. Im Duell Aufsteiger gegen Absteiger war Union anfänglich besser, um durch einen Freistoss von Mattuschka (25.) verdient in Front zu gehen. Dass die Gäste nach der Pause besser ins Spiel nahm, lag auch an den nachlässigen Berlinern - aus der Drehung traf Kweuke (62.) schliesslich zum Ausgleich, was zu ekstatischen Szenen im Gästesektor (nicht nur einige Sitzschalen blieben dort unbesetzt) führte. Angetrieben vom wuchtigen Publikum marschierte nun auch Union wieder nach vorne, aber alle Torchancen verstrichen ungenutzt, sodass die Punkte in diesem Ost-Derby friedlich geteilt wurden.

Sonntag, 20. September 2009

TSV Alemannia Aachen 2 TSV 1860 München 0

2. Bundesliga
Stadion Tivoli (neu), Aachen
Attendance: 24830 (700)


Ein neues Nahreiseziel - alles unter acht Stunden pro Weg - galt es an diesem sonnigen Sonntag zu erforschen. Nach einer freundlichen Begrüssung an der Abholkasse ("Viele Schweizer heute hier...") konnte das neue Prunkstück der Alemannia, unweit des alten Tivolis gelegen, betreten werden. Der einstöckige Neubau ist in den gelb-schwarzen Clubfarben gehalten, wobei die schwarzen Sitzschalen auf der Haupt- und Gegentribüne zu finden sind, wo sie den Schriftzug "Tivoli" bilden. Als Bestandteil des modernen Sportparks Soers, zu Fuss in 35 Minuten vom Bahnhof zu erreichen, entstand der attraktive und kompakte Ground im Nordosten der Stadt in einer Bauzeit von einem Jahr zum Preis von ungefähr 50 Millionen Euro.



In Sachen Stimmung war heute eine dauernde Achterbahnfahrt mitzuerleben: Der heimische Anhang begann noch vor Spielbeginn mit lautstarken Gesängen bzw. Schalparaden und als die beiden Equipen aufliefen, waren in beiden Fansektoren ansehnliche Doppelhalter- und Fahnenintros auszumachen. Allerdings war der Aachener Support in der Folge alles anders als geschlossen, was die "Löwen" mehrmals geschickt nutzten, um sich bemerkbar zu machen. Auch als Aachen in Führung lag, waren teilweise grössere Spaltungen in der heimischen Fanszene zwischen Ultras (im unteren Teil der Tribüne platziert) und Normalos (weiter oben) auszumachen, wodurch gemeinsame Gesänge oftmals verhindert wurden. Und auch von den Gästen war im zweiten Umgang schlichtweg nichts mehr zu hören, was der Stimmung nicht zuträglich war.



Der heimische Anhang präsentierte ausserdem vor und während der Begegnung noch drei Spruchbänder zur sportlichen Lage ("Ihr könnt verlieren, kein Problem! Aber wir wollen euch kämpfen sehen!"), zur unerwünschten Moderation eines Lokalradios vor dem eigenen Fanblock ("100,5 – immer noch nicht verstanden ihr Pfeifen!") und als Solidaritätsbeitrag an den Lokalrivalen aus München ("Repressionen kennen keine Grenzen – Schickeria gebt nicht auf zu kämpfen"). Auf dem Rasen dominierte Aachen von Beginn weg, was Auer kurz vor der Pause durch einen Direktschuss zum 1:0 nutzte. Die harmlosen Süddeutschen wurden erst in der Schlussphase durch Standardsituationen gefährlich (u.a. ein Pfostenschuss), doch schliesslich sorgte wiederum Auer nach einem Last-Minute-Konter für die endgültige Entscheidung.

Sonntag, 30. August 2009

FC Augsburg 1 1. FC Union Berlin 1

2. Bundesliga
impuls-Arena, Augsburg
Attendance: 19037 (1000)


Zum Hauptspiel des Tages waren es nur wenige Kilometer quer durch den Stadtteil Göggingen, sodass man überpünktlich an der neuen, autobahnnahen Arena des ambitionierten Zweitligisten eintraf. Das Stadion versprüht von aussen den Charme einer anonymen Dauerbaustelle. Im Innern können die steilen Ränge der einstöckigen, mehrheitlich mit roten Sitzschalen ausgestatteten Arena allerdings durchaus überzeugen. Der heimische Anhang zeigte zu Beginn eine Blätterchoreo (mit den Aufdrucken "Fuck Red Bull" bzw. "50+1 halten"). Dazu gab es das passende Spruchband "50+1 muss weiter bestehen, sonst wird jede Tradition vergehen!", was auf eine Regelung der Bundesliga anspielt, nach der die (Aktien-)Mehrheit eines Vereins nicht an gewinnorientierte Investoren abgegeben werden darf, sondern in gemeinschaftlichen Händen bleiben muss.



Die Hauptstädter, nach drei Spieltagen noch ohne Punktverlust und ohne Gegentor, durften als Aufsteiger ebenfalls auf eine beachtliche Unterstützung zählen, wobei deren Stärke vor allem im akustischen Bereich lag. Nachdem die Augsburger Gesänge nach einem Startfurioso - wie erwartet - immer verhaltener wurden, liessen sich die ausdauernden Lieder der "Eisernen" im weiten Rund nicht mehr überhören. Die heimischen Supporter zeigten sich derweil weiterhin von ihrer kreativen Seite, als sie im Laufe des Spiels eine weitere Choreographie zeigten: Auf zwei riesigen Doppelhaltern waren die Köpfe von RedBull-Besitzer Dietrich Mateschitz und einer mir unbekannten Person zu sehen, untermalt durch das Spruchband "different people, same shit".



Das Spiel nahm erst in der Mitte der ersten Halbzeit an Fahrt auf, als sich beide Torhüter mit starken Paraden auszeichnen konnten. Oftmals waren die Angriffsversuche beider Equipen allerdings auch schlichtweg nicht zwingend genug, sodass es torlos in die Kabinen ging. Dies änderte sich in der 59. Minute, als Sahin mehrere Gegenspieler austanzte und mit einem strammen Schuss zum 0:1 in die Maschen traf; zuvor war ein Berliner Freistoss nur an den Pfosten geklatscht. Die Fuggerstädter antworteten, obwohl sie Captain Möhrle durch einen Platzverweis (wegen Reklamierens) verloren, mit wütenden Angriffen, scheiterten allerdings oftmals am gegnerischen Keeper bzw. an der eigenen Unfähigkeit, bis Werner (76.) mit einem herrlichen Sololauf doch noch den verdienten Ausgleichstreffer für die Gastgeber realisierte.

Freitag, 1. Mai 2009

FC Hansa Rostock 5 1. FC Kaiserslautern 1

2. Bundesliga
Ostseestadion, Rostock
Attendance: 27000 (1000)


Eine Prise Ironie scheint durchaus mitzuschwingen, wenn der "Tag der Arbeit" genutzt wird, um (erstmals) das Bundesland mit der höchsten Erwerbslosenquote in Deutschland (14,6 Prozent) zu besuchen. Die Hansestadt Rostock, grösste Ortschaft in Mecklenburg-Vorpommern, zeigte sich abseits von ökonomischen Brennpunkten jedenfalls von seiner besten Seite: Das Stadion, ein einstöckiger Neubau mit blauer Bestuhlung und geschlossenen Ecken (wobei drei von vier mit Stehplätzen versehen sind), ist zwar kein aussergewöhnlicher Blickfang, aber die Tatsache, dass die Arena, abgesehen von einigen Plätzen im Gästeblock, als "ausverkauft" gemeldet werden konnte, ist doch mehr als beachtlich aus Sicht der abstiegsbedrohten Hanseaten.



Der Weg der heutigen Gastgeber zeigte nach sechs Spielen ohne Niederlage aber zweifellos nach oben. Auch gegen Kaiserslautern, das das Hinspiel noch mit 6:0 gewonnen hatte, bog die Hansa-Kogge rasch auf die Siegesstrasse ein. Nach einem langen Einwurf von rechts köpfte Fillinger zur frühen Führung (7.) ein, um in der Mitte der ersten Halbzeit mit einer perfekten Kopie des ersten Treffers auf 2:0 zu erhöhen. Die Stimmung war dementsprechend: Nachdem der ultraorientierte Hansa-Fanblock (in der einzigen Ecke mit Sitzplätzen platziert!) schon mit einem äusserst dichten Doppelhalter- und Fahnenintro geglänzt hatte, folgten nun ohrenbetäubende Gesänge und Hüpfeinlagen, deren perfekte Geschlossenheit für vibrierende Tribünen sorgte.



Die Supporter aus der Pfalz mühten sich mit zwei Dutzend Fahnen und andauernden Sprechchören redlich, waren gegen die Ost-Übermacht – der es oftmals gelang, weitere Tribünen zum Support zu animieren – meistens chancenlos. Dies galt auch für die Spieler aus Kaiserslautern: Zwar kam nach dem raschen Anschlusstreffer (zu Beginn der zweiten Hälfte) kurzzeitig Hoffnung auf, doch die Rostocker antworteten mit drei weiteren Treffern im Zehn-Minuten-Takt, um sich drei wichtige Punkte im Abstiegskampf zu sichern. Auf den Rängen wurde derweil die alte Rivalität zwischen West und Ost aufgewärmt – einige verbale Nettigkeiten und Gegenstände wurden zwischen Gästesektor und den angrenzenden Bereichen ausgetauscht.

Donnerstag, 9. April 2009

FC Ingolstadt 04 0 SV Wehen Wiesbaden 0

2. Bundesliga
ESV-Stadion, Ingolstadt
Attendance: 4714 (50)


Das glorreiche Aufeinandertreffen der grössten Traditionsvereine der 2. Bundesliga – mal abgesehen vom FSV Frankfurt – mit ihren ruhmreichen Geschichtsbüchern und treuen Anhängerschaften stellte einen sportlichen Leckerbissen der Extraklasse vor ungeahnter Rekordkulisse dar. Im schmucken, nach einem grosszügigen Sponsoren benannten Stadion, das das heruntergekommene ESV-Stadion ohne Zweifel um Längen übertrifft, brillierten zwei Spitzenteams mit atemberaubendem und zielstrebigem Tempofussball nach englischem Vorbild – zur Freude der enthusiastischen (und gleichermassen kreativen) Fangruppen, die dem Schlagerspiel der Runde einen würdigen Rahmen verliehen. Ein unvergessliches Freudenfest...



...,das einer ironischen Überdosis meiner Wenigkeit entsprang. In Wirklichkeit präsentierten sich beide Teams ihrer Platzierung entsprechend ziemlich ideenlos – ohne Spielkultur, dafür mit dem Zufall als ständigen Begleiter. Die leichte Überlegenheit der Ingolstädter gipfelte in der Nachspielzeit in einen Kopfball aus fünf Metern in die Arme des gegnerischen Keepers, in einen nicht gegebenen Strafstoss und in eine nachfolgende Rudelbildung mit zwei Platzverweisen. In der Betonwüste, die den Gastgebern als temporäre Spielstätte dient (nachdem sowohl überwachsene Stehstufen als auch mächtige Baumbestände dem sportlichen Fortschritt weichen mussten), kochten die Emotionen hoch, nachdem zuvor beide Fangruppen nur vereinzelt mit Gesängen (und einigen Fahnen) auf sich aufmerksam machten. Bei den „Schanzern“ waren als Intro immerhin noch ein Spruchband und einige Wurfrollen auszumachen.

Angesichts der Zuschauerzahl bleibt noch zu beantworten, wo sich ein Grossteil des Publikums im Jahre 2005 befand, als sowohl Ingolstadt (auf der BZA Mitte) als auch Wehen (damals noch in Taunusstein) vor einer dreistelligen Kulisse anzutreten hatten. "Ich kannte diesen Verein damals noch nicht!", dürfte wohl als allgemeingültige Antwort akzeptiert werden...

Sonntag, 23. November 2008

1. FC Nürnberg 2 SpVgg Greuther Fürth 1

2. Bundesliga
Frankenstadion, Nürnberg
Attendance: 46243 (2000)


Die Nacht war kurz, stand doch als sonntäglicher Leckerbissen das 252. Frankenderby in der Nürnberger Heimstätte – aufgrund ihrer achteckigen Form durchaus charakteristisch, aber leider auch mit einer Leichtathletikbahn und einem unsäglichen Sponsorennamen, der selbst vor der roten Stadionbestuhlung nicht Halt gemacht hatte, gesegnet – auf dem Speiseplan. Die Vorfreude war gross, die Erwartungen ebenso. Letztere liessen sich beim Intro beider Fangruppen erfreulicherweise bestätigen. Die Ultras Nürnberg präsentierten eine gelungene "Anti Fürth"-Choreographie: Auf dem Oberrang wurde der Leitsatz (ANTI FÜ) mit Hilfe einer schwarz-weissen Blätterchoreo dargestellt, im Unterrang wurden gleichnamige Doppelhalter in dreistelliger Anzahl gezeigt.



Im Gästesektor initiierten die Supporter aus Fürth ein dichtes Fahnenmeer in den Vereinsfarben Grün und Weiss, untermalt durch eine kleine Menge Rauch. Im Laufe des Spiels folgten mehrere Spruchbänder, sowohl bei den Anhängern der Kleeblätter ("Atomkraft – nein danke! Fürth bleibt grün!", "Den Ronhof kindisch beschmiert. Die Toten wollt ihr jagen, was wollt ihr uns damit sagen" sowie "Ultras unterhalten? Ist uns Neuman") als auch durch die heimischen Fangruppierungen ("Ob alt oder jung, für das Erschaffen einer Fanszene ward und seid ihr Doldis zu dumm" und "Mit der fränkischen Bimmelbahn ist der Dreck heut angefahr’n!"). Akustisch waren die Nürnberger natürlich deutlich überlegen, nur selten vermochten sich auch die Vorstädter nachhaltig Gehör zu verschaffen.



Auch die Begegnung verzichtete auf ein anfängliches Abtasten – mehrmals stand der "Club" einem Führungstreffer schon in den Startminuten äusserst nahe, wusste die spielerische Überlegenheit allerdings nicht in einen Torerfolg umzumünzen. Die Gäste fanden nach einer halben Stunde besser ins Spiel, als Allagui nach einem kapitalen Schnitzer alleine auf das heimische Gehäuse losziehen konnte, jedoch am Nürnberger Keeper scheiterte. Fünf Minuten später machte es Sturmpartner Reisinger bedeutend besser, indem er eine Flanke präzise in der kurzen Torecke unterbrachte. Die heimischen Anfeuerungsrufe wurden dadurch jedoch nur noch lauter, doch ihre Spieler verstanden es auch zu Beginn der zweiten Hälfte nicht aus einer Druckphase Profit zu schlagen.



In der Folge nahm sich das Frankenderby eine kurze Verschnaufpause auf allen Ebenen, als schliesslich Maroh aus einer unübersichtlichen Situation zum 1:1 (72.) ausgleichen konnte. Dabei war dem kuriosen Treffer ein Handspiel durch einen Fürther Gegenspieler vorausgegangen, wobei der Unparteiische selbiges (nach Rücksprache mit seinem Assistenten) allerdings nicht ahndete und auf Tor für Nürnberg entschied. Die packende Schlussphase fand ihren Höhepunkt drei Minuten vor dem Ende, als Christian Eigler, der frühere Fürther Topscorer in Diensten der Gastgeber, mit einem herrlichen Schlenzer zum nicht mehr für möglich gehaltenen Siegestreffer traf. Die Stimmung kochte nun endgültig über – minutenlang wurden die Derbyhelden mit brachialen Sprechchören gefeiert. Ein perfekter Abschluss eines gelungenen Ausfluges.

Freitag, 1. Februar 2008

VfL Borussia Mönchengladbach 1 1. FC Kaiserslautern 1

2. Bundesliga
Borussia-Park, Mönchengladbach
Attendance: 37202 (1500)


Erster Ernstkampf des Jahres, sowohl für die Teams als auch für meine (freundschaftsspielgeschädigte) Wenigkeit. Die Hinreise wurde, wie erwartet, von den Karnevalsfeierlichkeiten in und um Köln überschattet, doch alle Strapazen waren vergessen, nachdem man es sich im Borussia-Park, einem modernen All-Seater (abgesehen von den fanfreundlichen Stehtraversen) in Grau, bequem gemacht hatte. Als Intro präsentierten beide Fangruppen einige Fahnen und Doppelhalter, was im Falle der Pfälzer mit einer Prise Rauch garniert wurde. Auch auf dem Rasen hinterliessen die Gäste einen stark benebelt Eindruck, als Rösler bereits nach 51 Sekunden völlig freistehend zum 1:0 einköpfen konnte. Es schien, aufgrund der Spielanteile in den nachfolgenden Minuten, eine einseitige Angelegenheit zu werden...



...doch Gladbach war nicht bestrebt seinen Vorsprung weiter auszubauen; und da auch die Gäste äusserst harmlos agierten, waren bis zur Pause keine weiteren Treffer zu notieren. Auf den Rängen erreichten beide Anhängerschaften einen ähnlichen Geräuschpegel, auch weil es der Nordkurve eher selten gelang grossflächig - also über den "harten Kern" hinausgehend - Gesänge anzustimmen. Die Supporter aus Kaiserslautern vermochten zudem durch das ständige Schwenken von mehreren Fahnen für Pluspunkte zu sorgen. Zehn Minuten nach Wideranpfiff überschlugen sich – bei merklich ansteigender Dezibelbelastung – die Ereignisse, als zuerst MG drei Grosschancen innert Minuten ungenutzt verstreichen liess und gegenüber Lautern nur den Aussenpfosten traf.



Und dennoch war die Begegnung nach 70 Minuten (vermeintlich) gelaufen – zwei Akteure von Kaiserslautern wurden innert sechs Minuten jeweils mit einem äusserst strengen Platzverweis bedacht. Die "einzig wahre Borussia" liess am heutigen Abend allerdings jegliche Konsequenz und Zielstrebigkeit vermissen, wodurch das knappe Ergebnis weiterhin Bestand hatte – und Lautern schliesslich alles auf eine Karte setzte. Ein letzter Freistoss, bereits waren über 89 Minuten vergangen. Der Kopfball von Ouattara (eingewechselt) landete zwar nur an der Querlatte, doch der ebenfalls zuvor ins Spiel gekommene Runström stand goldrichtig: Ausgleich – mit zwei Mann weniger! Unglaublich, nun brach im rötlich herausstechenden Gästeblock eine längere Phase der Extasse an, während die restlichen Zuschauer den Ort des Geschehens (oder des Grauens...?!) unter Pfiffen fluchartig verliessen.

Sonntag, 25. November 2007

FC Augsburg 1 TSV Alemannia Aachen 0

2. Bundesliga
Rosenaustadion, Augsburg
Attendance: 11153 (400)


Auch am Sonntag mussten die heimischen Gemächer frühzeitig verlassen werden, um rechtzeitig (mit Umsteigen in der Donaustadt Ulm) nach Augsburg zu gelangen; auch die Entscheidung auf den morgendlichen Kreisligakick des TSV Göggingen im nahe gelegenen (und ansehnlichen) Karl-Mögele-Stadion zu verzichten, war goldrichtig – das entsprechende Spiel wurde nämlich kurzfristig abgesagt. Und bis in die frühen Nachmittagsstunden hatte sich nichts an den miesen Witterungsverhältnissen geändert, was (in Kombination mit den zuletzt schwachen Leistungen der Augsburger Fussballer) auch merklich auf den Publikumsaufmarsch schlug, wurde doch nur mühsam eine fünfstellige Zahl erreicht.



Bei den Intros der Fangruppen machten vorwiegend die Gäste aus dem deutsch-holländischen Grenzgebiet auf sich aufmerksam: Im Schatten der "antiken" Anzeigetafel und – etwas weiter entfernt – der Herz-Jesu-Kirche präsentierten die Aachener zwei Spruchbänder: "Eurer Puppenkiste ziehen wir die Fäden" sowie "110 – die Lizenz zum Schiessen. Riposa in Pace, Gabriele", wobei letzteres eine klare Anspielung auf den kürzlich vorgefallenen Mord an einem italienischen Fussballfan (durch einen Polizisten!) darstellte. Im Augsburger Block waren derweil nur einige Fahnen zu sehen. In der Folge blieb der Support beiderseits eher schwach, mit Vorteilen für die heimischen Anhänger, was aufgrund der grösseren Masse an Supportwilligen auch nicht überrascht.



Auf dem grünen Rasen war vom aktuellen Leistungstief der Gastgeber (seit sechs Spielen ohne Sieg) nichts zu sehen: Erfrischend spielten die Bayern in der Startphase nach vorne und verpassten einen frühen Führungstreffer mehrmals nur denkbar knapp. Von Ungenauigkeiten war auch die restliche Partie geprägt – Aachen fand mit seiner abwartenden Spielweise erst nach dem Pausentee allmählich in die Begegnung, vergab die seltenen Torchancen allerdings ebenfalls kläglich. So konnte es nicht überraschen, dass am Ende eine Standardsituation über die Punktevergabe entscheiden musste: Eine Viertelstunde vor dem Abpfiff köpfte Benschneider einen Freistoss zum Augsburger Siegtreffer ein. Der aufkommender Frust bei den Gästen äusserte sich wenig später in einer roten Karte, was alle Chancen auf einen späten Ausgleich dahinschwinden liess.



Ein beeindruckendes Bauwerk, dieses Rosenaustadion. Diese Spielstätte der älteren Generation (erbaut nach dem zweiten Weltkrieg) verfügt über eine überdachte Sitztribüne mit roten und braunen Sitzschalen. Auf den übrigen Seiten des Spielfelds erheben sich imposante Stehränge – auf der gegenüberliegenden Längsseite sind über sechzig (!) Stück zu zählen. Einige Sektoren (neben der Haupttribüne bzw. in der Mitte der nicht überdachten Gegentribüne) sind zudem mit grünen Sitzen bestückt. Das Ende des altehrwürdigen Grounds rückt allerdings immer näher – gegen Ende des Jahres 2009 wird der Bundesligist in eine moderne "Augsburg Arena" (inzwischen schon mit einem Sponsorennamen versehen!) in der südlichen Peripherie der Fuggerstadt ziehen...

Freitag, 23. November 2007

SV Wehen-Wiesbaden 0 TuS Koblenz 2

2. Bundesliga
Brita-Arena, Wiesbaden
Attendance: 8379 (1500)


Einige Hundertschaften begleiteten den Dorfklub aus Wehen-Taunusstein früher durch die Erfolgszeiten in der Regionalliga Süd (vgl. Wehen – 1860 München (A) im Mai 2005); als man durch den Aufstieg in die 2. Bundesliga vor scheinbar unlösbare Infrastrukturprobleme gestellt wurde, zog man rasch in die nahe gelegene Landeshauptstadt Wiesbaden um. Höchst bedenklich, dass nun plötzlich aus dem Nichts x-tausende Leute an die Spiele dieses künstlichen Konstrukts strömen, obwohl es auch in Wiesbaden genügend Alternativen gäbe, aber es scheint vielen Menschen nur darum zu gehen, sich mit der Bundesliga brüsten zu können. Es lässt sich durchaus behaupten, dass der ideologische Tiefpunkt des deutschen Fussballs in Südhessen liegt, was auch durch das Verhalten der heute anwesenden Subjekte (oder Objekte?) unterstrichen wird.



Als Paradebeispiel des "willenlosen Konsumenten" wurden alle Wünsche des völlig überdrehten Speakers, dessen inhaltsloses Gerede vorwiegend aus Sponsorenbezeichnungen bestand, brav befolgt. Entsprechend künstlich (und gesucht) wirkte auch der (durchaus lautstarke) Support mit geklauten Standardliedern während der Begegnung – selbstredend ständig abnehmend aufgrund des "negativen" Spielverlaufs. Die grosse Erwartungshaltung der Kunden (O-Ton: "Ich hab bezahlt, also will ich unterhalten werden!") überstieg das gezeigte Rasenschach deutlich(st). So waren es die Koblenzer Anhänger, die die allgemeine Aufmerksamkeit mit drei kleinen Pyroaktion (zweimal Fackeln, einmal Rauch) beanspruchten, was das heimische Retortenpublikum natürlich nicht goutierte und den hyperaktiven Stadionsprecher einige leere Drohungen aussprechen liess. Auf dem Rasen wurde weiterhin unterhaltungsarme Kost geboten, was allerdings in der Halbzeitpause durch unsinnige, sponsorengetränkte Gewinnspiele in Sachen Folter noch überboten wurde...



Koblenz vermochte die Begegnung nach dem Pausentee vermehrt zu kontrollieren, um nach einer sehenswerten Kombination schliesslich durch Sahin – erst kurz zuvor auf das Spielfeld gekommen – in Front zu gehen. Eine Wiesbadener Reaktion liess sich nicht erkennen, woraufhin TuS durch den (ebenfalls) eingewechselten Du-Ri Cha (Anmerkung: Auch Fatmir Vata spielt inzwischen für die Schängel) auf 2:0 erhöhen konnte. Nun war nur noch der Koblenzer Sektor im Stadion zu hören – durchgehend und von einer grossen Menschenmenge getragen, legte sich der TuS-Fanblock richtig ins Zeug. Ein Sieg des Fussballs. Danke. Die neue Arena in Wiesbaden – in der Rekordzeit von knapp fünf Monaten aus dem Boden gestampft - besteht übrigens aus vier allein stehenden Tribünen, wobei die Längsseiten mit blauen Sitzen bestückt sind. Eigene weisse Sitzschalen bilden dabei das unaussprechliche Vereinskürzel "SVWW" (Haupttribüne) bzw. den Sponsorennamen "Brita" (Gegenseite). Und hinter den Toren wird auf provisorischen Stehrampen gestanden.

Sonntag, 11. März 2007

1. FC Köln 4 SpVgg Unterhaching 1

2. Bundesliga
Müngersdorfer Stadion, Köln
Attendance: 39000 (200)


Das herrliche Frühlingswetter lud zu einem gemütlichen Tagesausflug in die Domstadt am Rhein ein; zumal die ICE-lastigen Reiseziele in Erwartung einer möglichen Streichung der Euro Domino-Zuschlagsfreiheit meinerseits im Moment sowieso bevorzugt behandelt werden. In der Kölner Südkurve waren die zweifelhaften Aktionen der Staatsmacht beim letzten Auswärtsspiel in Karlsruhe vom vergangenen Montag mittels Spruchbänder ("Karlsruhe, 5. März 2007: Freiheit in einem Rechtsstaat??? – Trotz Schikane, Willkür und Repression: Ihr kriegt uns nie so, wie ihr wollt!") immer noch präsent; auch wenn diese im prächtigen Fahnen- und Schalmeer fast unterzugehen drohten.



Die Gästefans, soviel sei hier schon mal vorweggenommen, genossen während der gesamten Spielzeit ausschliesslich die wärmende Frühlingssonne, ohne optisch oder akustisch aufzufallen. Im Gegensatz zu den engagierten Münchner Spielern: Diese erspielten sich, trotz ausgeglichenen Spielanteilen, mehrere hochkarätige Torchancen, doch der ersehnte Erfolg blieb ihnen verwehrt. Die Folge: Köln tauchte zweimal gefährlich im gegnerischen Strafraum auf und verliess das Spielfeld zur Halbzeit mit einer 2:0-Führung im Rücken. Die Stimmung war dennoch durchwachsen – nur selten liessen sich grosse Teile der Fankurve zum Mitsingen animieren und das Vorsingen (mittels Mikrofon?) wirkte unnatürlich laut.



Zu Beginn der zweiten Hälfte zierten zwei neue Spruchbänder die Werbebanden im heimischen Fanbereich („Polizei KA: Erst weggesehen, dann das Unrecht verteidigt, nun die Öffentlichkeit belogen“ – „Würstchen = Wurfgeschoss? Was wollt ihr noch verbieten?“), das sich ebenfalls auf die badische Polizeiwillkür bezog. Auf dem Rasen schienen die Rheinländer von jeglichem Druck befreit – nach 70 Minuten hatte der finanzielle Ligakrösus gegen bemitleidenswerte Hachinger auf 4:0 erhöht, auch wenn eigene heimische Schwächephasen (sowohl auf dem Spielfeld als auch auf den Rängen) nicht wegzudiskutieren waren. Einen würdigen Abschluss bildete der sehenswerte (Weitschuss-)Ehrentreffer der Bayern, auch wenn diese Aktion im Stadion kaum zur Kenntnis genommen wurde...

Freitag, 23. Februar 2007

Offenbacher FC Kickers 2 TuS Koblenz 3

2. Bundesliga
Stadion Bieberer Berg, Offenbach
Attendance: 9520 (1000)


Zwar hätte man sich den Besuch auf dem Bieberer Berg noch vier Tage – zum Derby gegen Frankfurt – aufsparen können, doch das freitägliche Ligaspiel schien mir, nicht nur terminlich, ebenfalls reizvoll. Am (Stadt-)Waldrand konnte nach kurzweiliger Anreise schliesslich eine der letzten grossen Traditionsstätten des deutschen Fussballs beäugt werden: Die mächtigen Stehränge und drei Tribünen unterschiedlichsten Alters geben dem Stadion einen einzigartigen Charakter. Ein wild zusammen gewürfeltes Gesamtkunstwerk. Auch das Offenbacher Intro gab mit einem Dutzend Doppelhaltern und zahlreichen Fahnen aller Arten ein ordentliches Bild ab; im gut gefüllten Gästebereich wurde hingegen auf optische Hilfsmittel verzichtet.



Das Duell im Tabellenmittelfeld begann mit einem Paukenschlag: Ecke Koblenz. Kopfball. Tor. Aus dem Nichts, und ebenfalls nach einer Flanke von links, kamen die Einheimischen wenig später zum (noch) überraschend(er)en Ausgleich; und auch der Führungstreffer für die Kickers nach einer halben Stunde war stark von zufälligen Umständen geprägt. Der guten Stimmung tat dieser Umstand erwartungsgemäss keinen Abbruch: Auf der Gegengerade unterstützten die OFC-Anhänger ihre Equipe mit lautstarken, aber ziemlich monotonen Gesängen, wobei immer wieder grössere Lücken festzustellen waren, die wiederum von den erstaunlich aktiven Koblenzern genutzt wurden, um sich hörbar in Szene zu setzen.



Einiges zu jubeln hatten die angereisten „Schängel“ gegen Ende der ersten Hälfte: Innert zehn Minuten drehten die TuS-Kicker das mitreissende Spiel durch einen Kopfballtreffer und einen umstrittenen Elfmeter wiederum zu ihren Gunsten. Eigentlich hätte man nun die Heimreise antreten sollen: In der Tat wurde die Begegnung nun zunehmend schwächer; die Gäste vermochten ihren Vorsprung geschickt zu verwalten und die kämpferischen, aber limitierten Offenbacher wussten nichts Zählbares entgegenzusetzen. Darunter litt auch die zuvor ansprechende Atmosphäre (wobei die heimischen Gesänge an Banalität sowieso nicht zu übertreffen waren), was mich mit einem zwiespältigen Eindruck nach Hause reisen liess.

Freitag, 9. Februar 2007

1. FC Kaiserslautern 1 FC Hansa Rostock 1

2. Bundesliga
Fritz-Walter-Stadion, Kaiserslautern
Attendance: 30372 (500)


Einer der wenigen reizvollen Zweitligisten sollte heute fallen: Zwar hatte ich den mühsamen Aufstieg auf den Betzenberg schon einmal bewältigt, aber damals stand nur ein Besuch bei den Amateuren auf dem Programm. Nun sollte das beschauliche Städtchen mit leicht rückständigem Touch erneut beehrt werden. Erste Pluspunkte sammelten die „roten Teufel“ durch eine ansehnliche Choreographie zu Ehren des Vereinsidols Horst Eckel, gerade eben 75 Jahre alt geworden, bestehend aus einem Spruchband („Herzlichen Glückwunsch, Windhund“), drei Blockfahnen (welche die Zahl „75“ sowie das Gesicht des Geburtstagskindes abbildeten) sowie unzähligen roten Blättern in der Westkurve, was sich von meiner Sitzposition leider nicht für die Nachwelt festhalten liess; im gut gefüllten Gästeblock waren derweil keine Bemühungen der kreativen Art auszumachen.



Auch in Sachen Stimmung waren die Einheimischen – wenig überraschend – deutlich überlegen, auch wenn die Akteure auf dem Rasen nur wenig stimmungsfördernde Aktionen zu produzieren vermochten. Die Wichtigkeit dieses Aufeinandertreffen zweier Aufstiegsaspiranten liess sich immerhin am überdurchschnittlichen Hasspegel ablesen – und als sich die Gastgeber in der Mitte der ersten Hälfte endlich gefährlich vor dem gegnerischen Gehäuse zeigten, schien die Begegnung lanciert. Aber die allgemeine Lethargie liess sich nur mühsam vertreiben – aus dem Nichts fasste sich der Rostocker Beinlich ein Herz und nagelte das Leder kurz vor dem Pausenpfiff an den rechten Torpfosten – zum Nachschuss sollte es aufgrund eines regelwidrigen Eingreifens nicht mehr kommen. Elfmeter Rostock. 1:0 Rostock. Pausenpfiff, worauf ein gellendes Pfeifkonzert ausbrach.



Die Reaktion der Lautrer folgte postwendend: Aus über dreissig Metern traf Vignal mittels präzisem Flachschuss – bezeichnend für eine spielerisch schwache Darbietung nach einer Standardsituation – zum verdienten Ausgleichstreffer. Trotzdem: Auf den Rängen gehörte ein durchgängiger, geschlossener Support längst der Vergangenheit an, was wohl auch daran lag, dass sich die aktivsten Supporter unorganisiert auf der riesigen Tribüne verteilten; immerhin waren dadurch (gegen Ende der Partie) plötzlich auch die Rostocker wieder öfters zu vernehmen. Die ostdeutschen Kicker schienen sich frühzeitig mit dem Unentschieden arrangieren zu können, während es den Pfälzern (trotz klarer Feldüberlegenheit) an der offensiven Durchschlagskraft fehlte, um noch einen möglichen Siegestreffer zu erzwingen...

Sonntag, 21. Januar 2007

TuS Koblenz 1 MSV Duisburg 1

2. Bundesliga
Stadion Oberwerth, Koblenz
Attendance: 11201 (1500)

Das EuroDomino-Ticket sollte mich heute ins rheinische Koblenz bringen: Beim Einstieg in Basel noch alleine unterwegs sollte es schliesslich in einer Fünfergruppe (bestehend aus drei Berner Hoppern – gestern noch beim Testspiel in Frankfurt – sowie der Person hinter der bekannten Zaunfahne „gossau-fen“) zum Stadion Oberwerth gehen, das neben einer kleinen Haupttribüne neuerdings auch auf der gegenüberliegenden Seite (provisorische?) Sitzgelegenheiten zu bieten hat. Die weitläufigen Kurven mit den klassischen Wellenbrechern erinnerten hingegen an das fortgeschrittene Alter des sehenswerten Grounds des Aufsteigers.



Von einem (überdreht) enthusiastischen Stadionsprecher unterstützt waren in der heimischen Fankurve (neben farblich unpassenden Zaunfahnen) zu Beginn einige Doppelhalter und das Spruchband „Jetzt erst recht!“ zu erspähen, während im proppenvollen Gästeblock eher kleinere Rauchaktionen von Interesse waren. In einer ausgeglichenen, aber ereignisarmen Begegnung kamen die Duisburger in der Mitte der ersten Hälfte (mit kräftiger Unterstützung des gegnerischen Keepers) zu einem glücklichen Führungstreffer. Auf den Rängen lagen die Vorteile hingegen eindeutig auf Seiten der Gastgeber: Nur selten waren die Zebras, klar getrennt in aktive und passive Supporter, über längere Zeit zu hören.



Die abstiegsbedrohten Koblenzer versuchten nach dem Pausentee mutig nach vorne zu spielen, was zwar nicht viele hochkarätige Torchancen nach sich zog, aber immerhin zum verdienten Ausgleichstreffer durch „Fussballgott“ Anel Dzaka führte. Auf die Sekunde genau wurde die Partie schliesslich vom Unparteiischen abgepfiffen, was aufgrund der vorhergehenden Ereignislosigkeit bestimmt keine falsche Entscheidung war – auch die Gesänge hatten sich schliesslich bereits lange zuvor aus dem Stadion verflüchtigt. Zahlreiche Diskussionen und einige bahntechnische Verspätungen später war die Heimat zu einer christlichen Zeit auch schon wieder erreicht.