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Samstag, 22. November 2014

SG Sonnenhof Grossaspach 1 Chemnitzer FC 0

3. Liga
Sportpark Fautenhau, Grossaspach
Zuschauer: 2003 (500)


Knapp achttausend Menschen sind in der Grossgemeinde Aspach - bestehend aus den Ortsteilen Grossaspach, Kleinaspach, Rietenau und Allmersbach am Weinberg - wohnhaft, sodass die ganze Bevölkerung mühelos im örtlichen Sportpark Fautenhau einquartiert werden könnte. Am Waldrand findet sich eine moderne Arena inkl. alleinstehender Haupttribüne mit einem aussergewöhnlichen Anbau in der Form einer kanadischen Blockhütte und eines urchigen Restaurantbetriebs mit dem Namen "Fautenhau Alm". Auf den restlichen Spielfeldseiten findet sich ein durchgängiger Neubau mit schwarzen Sitzschalen (sowie zwei roten Schriftzügen SG) - abgesehen von den äusseren Hintertorbereichen, wo eine geringe Menge an überdachten Stehplätzen eingeplant wurde.



Entstanden ist eine beispiellose Infrastruktur - mit Hilfe einer Investorengruppe um die Profispieler Aljaksandr Hleb und Mario Gomez finanziell gestemmt - für einen zuvor unbedeutenden Dorfverein, dessen Aufschwung nach der Jahrtausendwende in rasanter Geschwindigkeit voranging. Dies war dem Hotelier, Spielerberater und vor allem Mäzen Uli Ferber, seines Zeichens mit der werbemässig im Stadion omnipräsenten Schlagersängerin Andrea Berg verheiratet, zu verdanken. Viermal gab es im Örtchen aus der Nähe von Backnang einen Aufstieg zu feiern, ehe sich die SG Sonnenhof Grossaspach - vor zwanzig Jahren aus einem Zusammenschluss von FC Sonnenhof Kleinaspach und SpVgg Grossaspach entstanden - in diesem Sommer erstmalig für die eingleisige 3. Liga zu qualifizieren vermochte. Momentan teilt sie ihre Heimat mit dem Amateuren des VfB Stuttgart, welche wegen des aktuellen Umbaus des Waldaustadions in die Provinz ausweichen müssen.



Ausverkauft war die moderne Arena in einem offiziellen Bewerbsspiel noch nie. Rund zweitausend Interessierte wollten sich das Gastspiel der "Himmelblauen" aus Chemnitz ansehen, deren einzige Offensivaktion ein verschossener Handspenalty an den linken Torpfosten zum Auftakt der zweiten Halbzeit darstellte. Wenige Minuten später kamen die Hausherren nach einem seitlichen Freistoss mittels Kopfball zum Siegestreffer, nachdem sie sich vor dem Pausentee schon optische Vorteile erspielt hatten. Am Ende feierte Grossaspach unter "Aushilfstrainer" Uwe Rapolder seinen dritten Sieg im dritten Spiel, während sich Chemnitz nur noch eine Ampelkarte einfing. Auf den Rängen feierte ein ausdauerndes Dutzend Heimfans im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Hingegen war die Stimmungslage bei den zahlreichen Gästefans im Laufe der Begegnung eher abflachend.

Freitag, 30. April 2010

1. FC Heidenheim 3 SG Dynamo Dresden 0

3. Bundesliga
Albstadion, Heidenheim
Zuschauer: 8240 (2500)


Am letzten Freitag im April bot sich eine attraktive Möglichkeit, um die Liga 3 in Deutschland zu komplettieren - mit dem Baden-Württemberg-Ticket! Dieser kurze Reiseweg ist in erster Linie auf den kometenhaften Aufstieg der Heidenheimer Fussballer zurückzuführen. Im Jahr 2004 kämpfte der Heidenheimer SB (vor der Namensänderung) um den Aufstieg in die Oberliga, nun strebte der Verein von der Schwäbischen Alb gegen Dynamo Dresden eine neue Rekordmarke an Zuschauern an. Auf dem Hinweg war ein Zugausfall verantwortlich, dass sich zahlreiche Dynamo-Umlandfans in einen mickrigen Regionalzug zwängen durften. Am Heidenheimer Bahnhof verzögerte sich dann der Bustransfer, um dem Dresdner Anhang (im Sinne einer guten Gastfreundschaft) eine faire Chance zu geben, sich mit der lokalen Ausländerfraktion handgreiflich auseinanderzusetzen.



Das eingeplante Zeitpolster reichte zwar mühelos aus, dennoch war meine Wenigkeit froh, dass die Eintrittskarten frühzeitig in den Besitz von YB-Mark übergegangen waren - immerhin 8240 Zuschauer, wovon sich einige Dutzend Anhänger erstmals auf den roten Sitzschalen der neuen Haupttribüne (im Bau) platzieren durften, waren beim letzten Heimspiel der Saison zugegen, so dass der bisherige Besucherrekord (7150 Zuschauer, gegen Bayern München Amateure) deutlich übertroffen werden konnte. Daran hatten auch die Dynamo-Fans, deren durchgängige Gesänge aufgrund ihrer Monotonie fast schon hypnotische Züge annahmen, ihren gewichtigen Anteil. Auch optisch wurde - wie man es sich erhofft hatte - einiges geboten: Die Sachsen boten nicht nur ein dichtes Fahnenintro, sondern im Laufe des Spiels immer wieder hübsche Pyro-Aktionen - ohne Konsequenzen auf den Spielfluss. Ironischerweise war es ein winziger Böller aus der heimischen Fankurve, der den Unparteiischen fast zu einer Unterbrechung der Partie bewogen hätte...



Die Heidenheimer Supporter konnten anfangs mit einer sehenswerten Fähnchen-Choreographie in den Clubfarben Blau, Weiss und Rot (und dem Spruchband "Kämpft für unsere Farben") punkten - in akustischer Hinsicht war eine Konkurrenzierung der Gästefans hingegen aussichtslos. Besser lief es auf dem grünen Rasen, als die Gastgeber nach einer knappen halben Stunde zweimal von der Unaufmerksamkeit der Dynamo-Hintermannschaft profitieren konnten; und fünf Minuten vor der Halbzeitpause legten die euphorisierten Einheimischen sogar noch einen dritten Torerfolg nach. Danach zeigte sich Heidenheim trotz guten Gelegenheiten mit der klaren Führung zufrieden, so dass es im zweiten Durchgang (ausser Pyro) nichts mehr zu sehen gab. Beim abendlichen Imbiss am Bahnhof durfte wiederum das massive Polizeiaufgebot (und der Kleinstadtpöbel) begutachtet werden, bevor es schliesslich, unter Berücksichtigung aller helvetischen Nachtnetz-Angebote, in Richtung Heimat ging. Um 04.30 Uhr war die dritte Liga schliesslich endgültig ad acta gelegt.

Dienstag, 27. April 2010

Wuppertaler SV 0 FC Rot-Weiss Erfurt 3

3. Bundesliga
Stadion am Zoo, Wuppertal
Zuschauer: 2093 (100)


Eine unendliche Flut an Nachtragsspielen erinnerte auch Ende April noch an den hartnäckigen Winter, so dass der zweitletzte Ground der dritten Liga tatsächlich unter der Woche gekreuzt werden konnte. Das Stadion am Zoo, in Wuppertal, hinterliess allerdings einen sehr zwiespältigen Eindruck: Die historische Aussenfassade der Haupttribüne vermochte zwar ebenso zu gefallen wie die sanierte Stadiongaststätte im Norden der grosszügigen Anlage. Innen zeigte sich hingegen ein liebloser Ausbau, der sich primär in den wuchtigen Hintertortribünen aus kargen Betonelementen manifestierte - auch die altehrwürdige Radrennbahn, im Jahr 1924 erbaut, musste weichen. Die überdachte Haupttribüne ist durchwegs mit grauen Sitzschalen ausgestattet; auf der riesigen Gegengeraden wurde eine räumliche Unterteilung in Steh- und Sitzplätze (jeweils unüberdacht) geschaffen, wobei Letztere wohl nur bei publikumswirksamen Begegnungen zugänglich sind.



Aus akustischen (?) Gründen war auch die kleine Ultra-Fraktion der Gastgeber mit ihrer Zaunfahne "Allez Rot-Blau" auf der Haupttribüne zu finden, um einen sowohl in akustischer Qualität als auch in optischer Intensität (einige Schwenkfahnen) laufend abbauenden Support abzuliefern. Der Blick auf die betonlastige Gästetribüne war allerdings noch trauriger, verloren sich heute Abend doch nur wenige Thüringer (in Abwesenheit von optischen Hilfsmitteln) im riesigen Auswärtssektor. Der farblose Auftritt dürfte auch mit den rigorosen Stadionverboten gegen die "Erfordia Ultras 1996" zusammenhängen, so dass die Gäste nur einmal zu vernehmen waren, als ein Dutzend Gestalten hämische Gesänge ("Auf Wiedersehen") in Richtung Wuppertal sendeten. Die Gäste waren zuvor durch einen Elfmeter, dessen Entstehung aus heimischer Sicht äusserst unnötig war, verdient in Führung gegangen, wodurch das Abstiegsschicksal der Wuppertal endgültig besiegelt schien.



Die Relegation liess sich angesichts der spielerischen Unfähigkeit der Gastgeber, die durch eine aufreizende Emotionslosigkeit unterstützt wurde, nicht mehr abwenden, auch wenn die weiteren Erfurter Torerfolge erst in der Schlussphase (77./87.) folgten. Die meisten Zuschauer nahmen den Abstieg mit erschreckender Leichtigkeit hin - mit Ausnahme der heimischen Ultra-Szene, die den Zaun in der Schlussphase besetzte und auch vor körperlichen Übergriffen gegen eigene Spieler nicht zurückzuschrecken schien; von den übrigen Zuschauern waren im Gegenzug regelmässige Anti-Ultras-Äusserungen zu vernehmen. In der aufgeheizten Stimmung kam es nach dem Abpfiff, der den Abstieg besiegelte, zu vereinzelten Konfrontationen im Stadionumfeld, doch die Courage der Ultras schien durch das Auftauchen der Polizeikräfte blitzschnell erloschen zu sein...

Mittwoch, 31. März 2010

SG Dynamo Dresden 1 SV Werder Bremen II 0

3. Bundesliga
Rudolf-Harbig-Stadion, Dresden
Zuschauer: 13594 (47)


In der sächsischen Landeshauptstadt (mit herausragender Altstadt) sollte der drittletzte Schritt auf dem Weg zur Komplettierung der 3. Liga folgen, nachdem man die Dynamo-Anhängerschaft bislang schon viermal auswärts verfolgen durfte (Bochum, Braunschweig, Fürth und Köln/Amas.) - mit eher zwiespältigen Eindrücken. Das Rudolf-Harbig-Stadion, benannt nach einem erfolgreichen Leichtathleten der deutschen Zwischenkriegszeit, verwandelte sich seit 2007 kontinuierlich in eine moderne Arena (Gesamtkosten: 46 Millionen Euro), die durch grosszügige Stehplatzbereiche (mehr als ein Drittel der gesamten Kapazität) besticht. Ansonsten kann zum grössten Teil auf gelben Sitzschalen gesessen werden, wobei auf den Rängen mit anderen Farben auch noch der Schriftzug Dresden (Gegentribüne) und das Vereinslogo (Hintertortribüne) zu erkennen sind.



In der dritten Partie der Tour sollte endlich der erste Treffer fallen, doch zuvor vergab Dynamo Dresden mit seinem Startfurioso mehrere Grosschancen; zudem beklagten sich die Gastgeber über einen verwehrten Handspenalty. Die Gäste von der Weser waren ausnahmslos im Anschluss an Standardsituationen gefährlich, als Werder-Angreifer Ronneburg, der zuvor schon zweimal knapp gescheitert war, mittels Kopfball nur den rechten Torpfosten traf. Nach der Pause folgte eine rasche Erlösung, als Koch nach einem Zuspiel in den freien Raum mehrere Gegenspieler aussteigen liess, um zum verdienten Siegestor zu vollenden. Weil sich Dresden im Abschluss allerdings fahrlässig zeigte, durfte der Bremer Nachwuchs bis zum Schluss auf einen Punktgewinn hoffen, doch die Gäste vermochten mit ihrer Chancenauswertung ebenfalls nicht zu überzeugen.



Der Zuschauerkrösus der 3. Liga ist fantechnisch zweifellos für höhere Aufgaben prädestiniert: Von den "Ultras Dynamo" orchestriert, schallten von Beginn weg brachiale Anfeuerungsrufe durch das weite Stadion, deren Lautstärke im Laufe der Begegnung nur geringfügig abnahm. Aber auch optisch war eine beachtliche Teilnahme zu beobachten - ohne Unterbrechung waren mehrere Dutzend Schwenkfahnen verschiedener Grösse zu sehen; auch die gelegentlichen Schalparaden wussten zu gefallen. Abgesehen vom Spendenaufruf zugunsten der Sportstadt Dresden (vgl. Bild) wurde auch noch ein Spruchband gegen Polizeigewalt ("Höhere Strafen für Widerstand gegen die Staatsgewalt? = Freifahrtsschein für prügelgeile Polizisten!") präsentiert. Erwartungsgemäss gab es von den wenigen Gestalten im Gästeblock weder akustisch noch optisch etwas zu berichten.

Samstag, 12. Dezember 2009

BV Borussia Dortmund II 3 SV Wacker Burghausen 0

3. Bundesliga
Stadion Rote Erde, Dortmund
Zuschauer: 1016 (50)


Signalstörung, Triebkopfdefekt und Wurfgeschosse auf den fahrenden Zug. In Abwesenheit der "geliebten" Personenunfälle wusste die deutsche Bahn anderweitig zu glänzen, wodurch es verwundern mochte, dass es wenigstens noch zu einem Ernstkampf an diesem Wochenende reichte. Eine vorzügliche Idee: Das Stadion Rote Erde, ans östliche Ende des mächtigen Westfalenstadions anschliessend, verfügt über eine überdachte Tribüne mit ungefähr zwanzig Holzbankreihen und mehr als zwei Dutzend durchgängigen Stehstufen auf den übrigen Seiten.



Die ehemalige Spielstätte der ersten Mannschaft (von 1937 bis 1974) wird heutzutage von den clubeigenen Amateuren genutzt, deren erstaunlich grosse Anhängerschaft unter allen bekannten Zweitvertretungen definitiv seines Gleichen sucht. Mehr als die Hälfte aller anwesenden Personen war nämlich am linken Ende der Sitztribüne anzutreffen, wo die jungen Borussen lautstark nach vorne getragen wurden – ohne nennenswerte Unterbrüche wurde innovatives Liedgut zelebriert, immer begleitet von mehreren Dutzend Schwenkfahnen in schwarzgelber Aufmachung.



Der heimische Tabellenletzte liess sich davon sichtlich beflügeln, lag das Leder doch schon nach sechs Minuten erstmals im gegnerischen Netz, nachdem Wacker Burghausen zuvor schon einmal verletzungsbedingt auswechseln musste. Alleine vor dem Gästekeeper erhöhte wiederum Ginczek noch vor der Halbzeitpause auf 2:0. Zwar ergaben sich auf dem tiefen Geläuf insgesamt nur wenige nennenswerte Torchancen, durch die Borussia bestach durch eine beachtliche Effizienz, was dem überragenden Alleinunterhalter Ginczek (52.) noch einen dritten Torerfolg einbrachte.



In Vergessenheit wäre dabei fast geraten, dass auch die Burghausen-Supporter (wenn auch zahlenmässig mehr als deutlich unterlegen) einen respektablen Auftritt hinlegten, mir vielen kurzen Schlachtrufen und bis zehn Schwenkfahnen im unregelmässigen Einsatz. Ausserdem erwähnenswert war ein grosses Kartonherz, das der heimische Anhang - nachdem es zuvor als Bestandteil des Intros ("...denn wie lieben nur dich, Borussia!") genutzt wurde – unter lauten Gesängen beider Fanlager an die Sektion Stadionverbot (ausserhalb des Grounds platziert) verschenkt und im Laufe des zweiten Durchgangs durch eine Fackel "entflammt" wurde.

Freitag, 11. September 2009

SSV Jahn Regensburg 1 Offenbacher FC Kickers 1

3. Bundesliga
Städtisches Jahnstadion, Regensburg
Attendance: 5020 (250)


Unverhofft kommt oft, und so galt es innert kurzer Frist eine Beschäftigung für ein verlängertes Wochenende zu finden. Am Ende setzte sich das oberpfälzische Regensburg (im Sinne einer raschen Komplettierung der 3. Bundesliga) im innerbayrischen Duell gegen das unterfränkische Würzburger Derby in der Landesliga Nord knapp durch. An Charme mangelt es dem Stadion an der Prüfeninger Strasse, vom Bahnhof in etwas mehr als zwanzig Minuten zu erreichen, nicht. Die überdachte Haupttribüne ist neuerdings mit roten Sitzschalen (und dem Schriftzug "SSV") versehen; davor wurden zwei provisorische Sitztribünen zwecks Aufstockung der Kapazität (DFB-Auflage) installiert. Auf den drei übrigen Seiten verlaufen unüberdachte Stehstufen.



Daher ist es fragwürdig, ob der alternde Ground – im Jahre 1972 sogar Austragungsstätte von olympischen Fussballwettkämpfen – im Westen der Stadt Ratisbona als langfristiger Spielort zugelassen werden wird. Umgeben von Fabrikanlagen, Schrebergärten und Wohnhäusern scheint ein Umbau des Jahnstadions nahezu unmöglich. Ein definitiver Umzugstermin wurde bislang noch nicht genannt, doch der sportliche Höheflug der Regensburger lässt dieses Problem immer akuter werden. Das neu gewonnene Selbstvertrauen der Gastgeber, die das Spiel anfangs scheinbar mühelos unter Kontrolle hatten, zeigte sich nach einer knappen Viertelstunde, als sie einen überraschenden Gegentreffer postwendend mit dem Ausgleich beantworteten.



Im Laufe der ersten Halbzeit – und besonders nach dem Seitenwechsel – gewann Offenbach allerdings immer mehr die Oberhand, doch selbst beste Gelegenheiten wurden grosszügig ausgelassen, so dass es bis zum Schluss bei einer Punkteteilung blieb. Auf den Rängen war der ultra-orientierte Heimanhang überlegen: Zu Spielbeginn wurde ein Spruchband "Auch auf dem Land gehört niemand aus dem Stadion verbannt. Freiheit für Ultras" gezeigt; danach folgte ein ausdauernder Support mit dauernder Fahnenbewegung. Bei den Kickers-Supportern waren, wie üblich, nur vereinzelte Schlachtrufe der banalen Sorte auszumachen, wobei diese Gesänge vor allem in der finalen Druckphase mit der Lautstärke der Regensburger durchaus mithielten.

Freitag, 7. August 2009

SV Werder Bremen II 1 BV Borussia Dortmund II 0

3. Bundesliga
Weserstadion Platz 11, Bremen
Attendance: 1000 (400)


Amateure raus aus Liga 3! Nicht selten scheint diese radikale Forderung aufgrund der drohenden Wettbewerbsverfälschung und des geringen Zuschauerzuspruchs verständlich. Eine löbliche Ausnahme stellt die Zweitvertretung aus Dortmund dar, deren Anhängerschaft selbst zum freitäglichen Abendspiel in Bremen mit mehreren Hundertschaften anreist. Die Mehrheit der Amateur-Borussen glänzte allerdings nicht nur durch Anwesenheit – so waren während der gesamten Spielzeit abwechslungsreiche Gesänge aus dem Gästeblock zu vernehmen, begleitet von einem halben Dutzend Schwenkfahnen in ständiger Bewegung. Ein respektabler Auftritt, den in der dritthöchsten Spielklasse nur wenige Fanszenen hätten übertrumpfen können.



Das heimische Publikum entsprach hingegen dem ungeliebten Stereotyp des regungslosen Amateur-Supports. Nicht einmal das goldene Tor des Abends (52.) vermochte die kühlen Norddeutschen nachhaltig aus der Reserve zu locken. Über den Verdientheitsgrad des Bremen Treffers liess sich streiten – zu ausgeglichen und gleichermassen harmlos hatten sich die beiden bislang sieglosen Equipen präsentiert. Die brenzligen Situationen der ersten Hälfte spielten sich im Strafraum der Gastgeber an, als Dortmund einen Abseitstreffer verbuchte und einen weiteren Abschlussversuch auf der Torlinie geklärt sah. Dazwischen erspielte sich Bremen zwar ein optisches Übergewicht, trat in der Angriffszone allerdings erschreckend ziellos auf.



Dies änderte sich auch im zweiten Durchgang nicht, genügte aber dennoch zum Führungstreffer aus halbrechter Position, nachdem das Spielgerät vor die Füsse von Oehrl gefallen war. Die jungen Borussen reagierten (nach einer sehenswerten Kombination) mit einem Lattentreffer, doch die anhaltende Harmlosigkeit beider Equipen war höchstens der allgemeinen Spannung zuträglich. Am knappen Vorsprung auf dem Nebenplatz des grossen Weserstadions, im Volksmund auch "Platz 11" genannt, änderte sich bis zum Schlusspfiff jedoch nichts mehr. Der Ground vermag eine überdachte Tribüne mit grünen Sitzschalen und dem Schriftzug "Werder" zu bieten; auf der Gegengerade finden sich (ebenso im grosszügigen Gästesektor) fünf Betonstufen.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Kieler SV Holstein 0 SV Wacker Burghausen 1

3. Bundesliga
Holstein-Stadion, Kiel
Attendance: 6016 (150)


Nach einer erholsamen Nacht in der empfehlenswerten Pension Seidel (Brauhaus Aue, EZ à 18 Euro) folgte wiederum ein früher Aufbruch in Richtung Norden. Am späteren Nachmittag wurde die regnerische Küstenstadt Kiel nach Zwischenhalten in Zwickau, Leipzig, Berlin und Hamburg schliesslich erreicht. Der Fussmarsch zum örtlichen Ground am nordwestlichen Stadtrand verschlang nochmals 40 Minuten. Vor Ort ist ein (zwangsweise) hochgerüstetes Stadion zu entdecken, dessen überdachte Haupttribüne mit blauen Sitzschalen bestückt ist. Davor verlaufen weitere Sitzplätze in gleicher Bemalung, auf einer Seite von Holzbänken flankiert.



Die alternden Stehtraversen sind hingegen nur noch in der Gästekurve vorzufinden, während zwei weitere Seiten des Spielfelds mit unromantischen Stahlrohrtribünen (siehe Fotos) versehen wurden. Auf der überdachten Hintertorseite haben sich auch die Kieler Ultras eingefunden, deren Equipe sowohl optisch (mit einigen Doppelhaltern und Schwenkfahnen zu Beginn) als auch akustisch (mit alternierenden Liedern, und gelegentlichen Wechselgesängen) unterstützt wird. In dieser Hinsicht vermochte der weitgereiste Anhang aus Oberbayern (über 900 Kilometer!) mit einem halben Dutzend Zaunfahnen nur selten mit Anfeuerungsrufen entgegenzuhalten.



Das Spielgeschehen war schon vom Vortag bekannt. Eine Mannschaft, namentlich Holstein Kiel, drückte ohne zu reüssieren auf den Führungstreffer, was die Gäste aus Burghausen nach einer halben Stunde durch einen mustergültig vorgetragenen Konterangriff zum 0:1 nutzten, nachdem sie wenige Augenblicke zuvor noch am linken Torpfosten bzw. am eigenen Unvermögen vor dem leeren Gehäuse gescheitert waren. Zwar waren die heimischen Störche in der Folge bemüht, aber auch äusserst fehleranfällig, wodurch es Wacker leicht fiel seinen Vorsprung zu verteidigen. Darunter musste auch die Unterstützung durch das Publikum leiden, was vom Gästeanhang trotz unvorteilhafter Freiluftlage zu hörbaren Gesangseinlagen genutzt wurde.

Dienstag, 28. Juli 2009

FC Erzgebirge Aue 1 FC Ingolstadt 04 0

3. Bundesliga
Erzgebirgsstadion, Aue
Attendance: 8600 (60)


Ein aktuelles Sonderangebot der Deutschen Bahn (DB) namens „Deutschland-Pass“ (einen Monat unbeschränktes Zugfahren zum Preis von 249 Euro) war nicht abzulehnen, so dass es am frühen Dienstagmorgen ins Erzgebirge ging. Der zweite Spieltag der dritten Profiliga sollte genutzt werden, um abgelegene Grounds zu kreuzen. Am angestrebten Zielort angekommen, war in erster Linie eine verwaiste Ruine zu erblicken, die den Titel "Bahnhof" trug. Die Strukturschwäche der hiesigen Region – früher florierende Bergbauregion, heute von Einwohnerschwund bedroht – sprang unweigerlich ins Auge. Ebenso unzählige Schmierereien ("Stirb Schachter"), die die Anhänger des verfeindeten FSV Zwickau im Umland hinterlassen hatten.



Eine Augenweide ist hingegen das örtliche Erzgebirgsstadion (ehemals benannt nach dem früheren DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl), das am nördlichen Stadtrand in einen Talkessel hingebaut wurde. Der Ground verfügt über eine beachtliche Zweiteilung: Eine Hälfte des Stadions ist überdacht und mehrheitlich mit roten Sitzschalen versehen. Auf der gegenüberliegenden Seite erhebt sich eine imposante Stehrampe mit bis zu dreissig Stufen. Die heimische Fanszene – auf den (wenigen) überdachten Stehplätzen zu finden – zeigte zu Spielbeginn einige kritische Spruchbänder (u.a. "Ausgesperrt, doch nie allein" und "Ihr bekommt uns niemals klein!") und eine Blockfahne, die den übrigen Zuschauer allerdings vorenthalten wurde, indem sie vor den aktiven Supportern auf den Boden (?!) gelegt wurde.



Aus der bayrischen Autostadt waren zwar einige Dutzend Anhänger mitgereist, doch sowohl optisch als auch akustisch traten die Ingolstädter nur äusserst selten in Erscheinung. Im Gegensatz zu ihrer Mannschaft, die das Spielgeschehen grösstenteils dominierte – und eine Vielzahl von hochkarätigen Torchancen vergab. Entgegen dem Spielverlauf kam Wismut Aue – wie der Verein im Volksmund noch immer genannt wird – mittels Fallrückzieher zum Tor des Tages und wusste das knappe Ergebnis trotz Platzverweis (Tätlichkeit) über die Zeit zu schaukeln. Dieser Spielverlauf spiegelte sich auch auf den Rängen wieder: Die anfänglichen Supportversuche der Ultras weiteten sich mit der Führung im Rücken auf das gesamte Stadion aus, was eine atemberaubende Stimmung in traumhafter Umgebung ermöglichte.

Mittwoch, 1. April 2009

1. FC Union Berlin 0 SV Werder Bremen II 0

3. Bundesliga
Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Berlin
Attendance: 5572 (100)


Der Entscheid eines frühzeitigen Aufbrechens nach Berlin sollte sich als goldrichtig erweisen: Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland präsentierte sich bei perfektem Frühlingswetter, was nach einer kleinen Sightseeing-Tour (Brandenburger Tor, Bundestagsgebäude) zu einer Runde Sonne tanken im Mauerpark (auf dem ehemaligen Grenzstreifen errichtet) genutzt wurde, wo auch der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (benannt nach dem deutschen Turnvater) beheimatet ist. Der farbenfrohe Ground (mit neunzehn Sitzreihen in gelber, grüner und roter Farbe) dient Union Berlin im Moment als Ausweichstätte, während die "alte Försterei" für höhere Aufgaben in Form gebracht wird. Im Leichtathletikstadion auf der Grenze zwischen den Stadtteilen Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg werden ausserdem die Heimspiele von Türkiyemspor Berlin in der Regionalliga Nord ausgetragen, wenn auch vor minimaler Kulisse.



Auch heute füllte sich das weite Rund angesichts der Konkurrenzierung durch das Länderspiel nur gemächlich. Insgesamt 5572 Zuschauer, wovon sich eine Mehrheit auf der (überdachten) Gegentribüne einfand, wurden Zeuge einer anfänglichen Überlegenheit des Abstiegskandidaten aus Bremen, der den Führungstreffer mehrmals auf dem Fuss hatte. Die Gastgeber, unangefochtener Tabellenführung der 3. Bundesliga, gestalteten das Spielgeschehen zwar über weite Strecken ausgeglichen, agierten im Abschluss allerdings harmlos. In einem untypischen 0:0-Spiel strich ein Union-Freistoss zu Beginn der zweiten Hälfte nur knapp am Bremer Gehäuse vorbei. Die Partie wogte nun hin und her: Beide Equipen hatten einen Torerfolg auf dem Fuss, scheiterten jedoch entweder am gegnerischen Keeper oder an der eigenen Ungenauigkeit.



Als "Eisern Union" in einer spannenden Schlussphase zum finalen Konterangriff ansetzte, wurde Heun vom Gegenspieler äusserst unsanft gestoppt, was Letzterem zwar einen Platzverweis einbrachte, allerdings auch das torlose Remis sicherte. Auf den Rängen setzte sich der heimische Anhang mit lautstarken Gesängen in Szene, begleitet durch einige (fast) durchgehend in Bewegung befindliche Schwenkfahnen. Als Intro war zudem ein riesiger Doppelhalter "Eisern ist..." mit vier Figuren unterschiedlichsten Alters zu sehen, untermalt vom Spruchband "...generationsübergreifend" zu sehen. Der Anhang aus Bremen überraschte, am Rande der Haupttribüne postiert, mit einer erstaunlichen Präsenz – auch die Supporter der Zweitvertretung zeigten sich mit mehreren Fahnen aktiv, konnten sich aufgrund ihrer zahlenmässigen Unterlegenheit allerdings nur bei Berliner Verschnaufpausen nachhaltig Gehör verschaffen.

Dienstag, 31. März 2009

FC Rot-Weiss Erfurt 1 SV Sandhausen 1

3. Bundesliga
Steigerwaldstadion, Erfurt
Attendance: 4876 (-)


Aus terminlichen Gründen erwies sich Erfurt als einzige Option, um drittklassigen Bundesliga-Fussball geboten zu bekommen, auch wenn negative Umstände schon im Vorfeld der Begegnung für gedämpfte Erwartungen sorgten: In Folge von "Ausschreitungen" im Derby gegen Carl Zeiss Jena – in Tat und Wahrheit nur ein wenig Feuerwehr und Rauchtöpfe mit nachfolgender Spielunterbrechung – erliess Rot-Weiss Erfurt ein kollektives Hausverbot gegen die "Ultras Erfordia" (ungefähr 130 Mitglieder), auch gegen nichtanwesende Personen...! Entsprechend orientierungslos präsentierte sich der Erfurter Heimblock (ohne Doppelhalter und Fahnen), währenddessen es vor den Stadiontoren zu einer beachtlichen Menschenansammlung der Ausgesperrten kam. Von Sandhausen wurde sowieso nichts erwartet, so dass es nicht weiter überraschte, dass die Staatsmacht im Gästeblock einen einsamen Abend verbrachte.



Zu den "atmosphärischen Störungen" kamen erschwerend die sportlichen Leistungen der beiden Equipen in der jüngsten Vergangenheit hinzu: Obwohl noch im obersten Tabellendrittel angesiedelt, war allen Akteuren eine gewisse Verunsicherung anzumerken, so dass die wenigen Torchancen meistens dem Zufall entsprangen. In Sachen Stimmung drohten das artige Klatschen (und die gelegentlichen Gesänge) des Thüringer Publikums spätestens zur Halbzeitpause in ein lautstarkes Pfeifkonzert umzuschlagen. Es war demnach bezeichnend, dass der heimische Führungstreffer in einem Spiel zweier kläglichen Angriffsreihen durch ein Eigentor zustande kam. Im Anschluss an einen Eckball "traf" Fiesser ungewollt ins eigene Netz. Aus den Lautsprechern ertönte "Vielen Dank für die Blumen" – ein seltener Lacher an einem tristen Fussballabend.



Die ereignisarme Begegnung, die der geschätzten Polizeibeamtin Bibiana Steinhaus zur Leitung anvertraut wurde, gewann nun tatsächlich in gewisser Weise an Qualität: Die Anzahl der Abschlussgelegenheiten nahm zu – und tatsächlich vermochte Sandhausen zehn Minuten vor Spielende nach einer ungenügend abgewehrten Ecke auszugleichen. In der Nachspielzeit überschlugen sich die Ereignisse: Die Thüringer suchten mit Vehemenz einen zweiten Treffer, liefen allerdings kopflos in einen Gästekonter – alleine auf weiter Flur setzte Boskovic das Leder zuerst aber nur an die Querlatte, und verpasste das verwaiste Gehäuse auch mit dem nachfolgenden Kopfball. Das Steigerwaldstadion besticht vorwiegend durch die eigenwillige Dachkonstruktion der Haupttribüne; auf den übrigen Seiten verlaufen über zwanzig Stehstufen älteren Semesters, wobei selbige auf der Gegengeraden mit weissen Sitzbänken überdeckt sind.

Samstag, 28. März 2009

Braunschweiger TSV Eintracht 0 SG Dynamo Dresden 1

3. Bundesliga
Eintracht-Stadion, Braunschweig
Attendance: 15150 (2000)


Beim zweiten (von mir besuchten) Spiel der 3. Bundesliga an diesem Wochenende war die Erwartungshaltung schon wesentlich höher, trafen mit Braunschweig und Dresden doch zwei traditionsreiche Fussballstädte aufeinander. Der Auftakt erwies sich jedenfalls als erfreulich, wurden doch schon vor Spielbeginn eine Vielzahl an verbalen Nettigkeiten ausgetauscht. Beim Intro zeigte sich Braunschweig nicht nur mit einigen Schwenkfahnen, sondern auch mit einer Reihe an Spruchbändern zum Oberthema Stimmungstod ("Materialverbote", "Sicherheitswahn", "Eventfans", "Meldeauflagen", "Polizeiwillkür", "Beugehaft", "Reiseverbot", "Stadionverbote" und "Ordnerwahn") deutlich überlegen, während die Anhängerschaft aus Sachsen nur wenige optische Hilfsmittel im Gepäck hatten. Im akustischen Bereich legte die heimische Kurve viel Wert auf einen dauerhaften Support, während sich der Dynamo-Mob eher auf kurze, brachiale Schlachtrufe bzw. Hüpfeinlagen konzentrierte, was seine Wirkung nicht verfehlte.



Das Duell zweier (noch nicht von allen Abstiegsängsten befreiten) Teams aus dem Mittelfeld der Tabelle lebte von der ersten Sekunde an: Beide Equipen hätten noch im Laufe der Startminute in Führung gehen können – und vor allem Braunschweig hielt munter Kurs auf das gegnerische Gehäuse, alleine die Präzision im Abschluss fehlte. Einer guten Stimmung war dieser Spielverlauf natürlich förderlich, so dass sich die BTSV-Gesänge öfters auch auf die übrigen Tribünen ausbreiteten. Ein annulliertes (Abseits-)Tor der spielfreudigen Niedersachsen war der letzte Aufreger in einer unterhaltsamen Halbzeit Eins. Nach dem Seitenwechsel sorgte der Gästeanhang für allgemeinen Unmut: Eine (entwendete) Braunschweig-Zaunfahne ("Eintracht forever") wurde feierlich präsentiert, in Begleitung von einer einzigen Bengalfackel. Aus den heimischen Sektoren erklang zwar ein gellendes Pfeifkonzert (und "Scheiss Dynamo"-Rufe), doch die Gelegenheit wurde gleichzeitig genutzt, um selbst ein wenig Rauch in die Atmosphäre zu entlassen.



Auf dem Spielfeld war der zweite Durchgang eindeutig geruhsamer: Die heimischen "Löwen" machten sich das Leben gegen äusserst destruktiv spielende Dresdner mit einer ansteigenden Fehlerquote selbst unnötig schwer. Die Gäste wurden schliesslich sogar noch für ihre unattraktive Spielweise belohnt, als sie aus dem Nichts durch einen zweifelhaften Strafstoss in Führung gingen. Auf den Rängen dominierten fortan die (punktuell) lautstarken Gesänge der ostdeutschen Anhänger. Der verdiente Ausgleichstreffer von Braunschweig in der Schlussphase wurde wiederum durch eine vermeintliche Offside-Position zu Nichte gemacht. Das Eintracht-Stadion an der Hamburger Strasse (mit der Strassenbahn Nr. 1 oder 2 zu erreichen) ist eine Spielstätte alter Schule: Auf beiden Längsseiten finden sich überdachte Tribünen (mit roten Sitzschalen), die den weitläufigen Kurven direkt angeschlossen sind. Dabei sind jedoch nur die heimischen Ränge mit einer heute vor Regen schützenden Bedachung versehen.

Freitag, 27. März 2009

SC Paderborn 07 1 VfB Stuttgart II 1

3. Bundesliga
paragon-Arena, Paderborn
Attendance: 6011 (60)


Einer der wenigen Vorteile der ungeliebten Nationalteams sind die damit verbundenen Länderspielpausen, wo eine überdurchschnittliche Menge an Freizeit (zwei Tage in Folge!) geschaffen wird, um ins Ausland reisen zu können. In der 3. Bundesliga liessen sich noch grössere Lücken ausfindig machen, so dass das einzige Freitagsspiel in Paderborn als Auftakt ausgewählt wurde. Die neuartige Arena (Baujahr: 2008) in der nordrhein-westfälischen Grossstadt, ähnlich dezentral liegend wie das alte Hermann-Löns-Stadion (inzwischen als Spielstätte für American Football genutzt), vermag sich höchstens durch die hohen Aussenwände vom langweiligen Einheitsbrei der modernen Stadionbauten abzuheben. Die überdachte Arena, in der die Zuschauerränge leicht erhöht angebracht wurden, ist auf beiden Längsseiten mit blauen Sitzschalen ausgestattet; im Hintertorbereich wird hingegen gestanden.



Die Stimmung befand sich an diesem kühlen Abend im Rahmen meiner Erwartungen, was nicht zwingend als Kompliment verstanden werden muss: Zwar waren die Gastgeber zu Beginn mit geschlossenen Gesängen (untermalt mit einigen Doppelhaltern und Schwenkfahnen) noch bemüht, doch der Support nahm sowohl qualitativ als auch quantitativ laufend ab. Die Schwaben schienen sich währenddessen im (zu) grossen Gästesektor beinahe zu verlieren – nur in Ausnahmefällen waren die unterstützenden Rufe einiger Unentwegter auf den übrigen Tribünen zu vernehmen. Auch auf dem grünen Rasen agierte Paderborn leicht überlegen, ohne dass sich aus den temporären Druckphasen eine mitreisende Begegnung entwickelt hätte.



Im Kampf um den Aufstieg tat sich Paderborn im heimischen Stadion (bequem zu erreichen mit den Buslinien 6 und 68) trotz anhaltender Feldüberlegenheit auch in der zweiten Hälfte sehr schwer. Als sich die passiven Süddeutschen in der 74. Minute ausnahmsweise in der gegnerischen Platzhälfte zeigten, traf Didavi mit einem Sonntagsschluss aus 25 Metern zur überraschenden Führung für die Zweitvertretung aus Stuttgart. Die Einheimischen war nun völlig von der Rolle – selbst einfachste Zuspiele wollten (zum hörbaren Unmut des Publikums) nicht mehr gelingen. Auch die ziellose Verzweiflungsflanke in der Schlussminute schien nichts einzubringen, als selbige plötzlich zur optimalen Vorlage für den eingewechselten Krause mutierte, der das Leder mittels Flugkopfball zum späten, aber verdienten Ausgleich einköpfte.

Sonntag, 15. März 2009

FC Carl Zeiss Jena 0 Offenbacher FC Kickers 2

3. Bundesliga
Ernst-Abbe-Sportfeld, Jena
Attendance: 4621 (250)


Nur wenige Schritte durch inzwischen sumpfiges Gelände waren zurückzulegen, um zum eigentlichen Hauptziel des heutigen Tagesausfluges zu gelangen. Das Ernst-Abbe-Sportfeld, benannt nach dem deutschen Physiker und Mitbegründer der Firma Carl Zeiss, ist ein interessantes Bauwerk: Die steile Haupttribüne, als einziger Stadionteil mit einer Überdachung versehen, ist mit blauen und gelben Sitzschalen bestückt. Auf der Gegenseite wurden vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls Sitzgelegenheiten installiert. In den weitläufigen Kurven – im Zuge des geplanten Stadionumbaus soll die Tartanbahn endlich verschwinden – wird hingegen gestanden, wobei sich die beiden Fangruppen jeweils die Südseite des Grounds teilen müssen.



Als architektonische Auffälligkeiten lassen sich zudem die dreibeinigen Flutlichtmasten mit übereinander angeordneten Lichtquellen und der alte Uhrenturm aus Holz auf einer Hintertorseite nennen. Ebenfalls erwähnenswert ist die Tatsache, dass Carl Zeiss Jena (ursprünglich gegründet von und für Angestellte des gleichnamigen Optik-Unternehmens) von René van Eck (Chefcoach) und Stephan Lehmann (Goalietrainer) betreut wird. Der Holländer schien beim dreimaligen DDR-Meister (1963, 1968, 1970) eine Trendwende zu schaffen, doch inzwischen finden sich die Thüringer erneut inmitten des Abstiegskampfes wieder. Von Relegationsängsten war im heutigen Duell mit den Kickers aus Offenbach (vorerst) jedoch nichts zu spüren. Beide Mannschaften spielten unbekümmert drauf los, ohne frühe Tore folgen zu lassen. Die Stimmung war auf heimischer Seite ebenfalls prächtig: Als Intro hatte die "Sudkurve" ein halbes Dutzend Schwenkfahnen präsentiert, die (fast) die gesamte Spieldauer über in Bewegung blieben.



Auch akustisch offenbarte Jena einen langen Atem, während die Gäste aus Hessen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ enttäuschten – und ihre Stimmbänder nur punktuell für monotone Gesänge ("OFC", "Kickers") einsetzten. Auf dem Rasen nahm das kampfbetonte Spiel kurz vor der Pause eine ungeahnte Wendung: Eine einzige gelungene Kombination genügte Offenbach, um durch Rückkehrer Türker überraschend in Front zu gehen, nachdem die Gastgeber zuvor dominierend waren – und (teilweise) sogar auf gesangliche Unterstützung der Haupttribüne zählen konnte. Die Südkurve machte immer wieder durch Spruchbänder auf sich aufmerksam: "Schaut in die Kurve voller Kampfgeist und Emotion", "Den Finger Befreien" (eine Anspielung an den nationalen Fussballverband, untermalt durch einen angeketteten Stinkefinger) und "15 Jahre gegen den Wind! Immer weiter Matthias" (zu Ehren des langjährigen Fanprojektleiters).



Nun machte sich allerdings im Jenaer Stadion, in dem der Speerwerfer Jan Zelezny im Jahre 1996 den immer noch gültigen Weltrekord (98,48 m) aufstellte, allgemeiner Frust breit. Erst recht, als sich Carl Zeiss Jena selbst zu schlagen drohte: Zuerst wurde eine totsichere Gelegenheit ausgelassen, dann ein Strafstoss auf klägliche Weise verschossen und schliesslich stand auch noch der Torpfosten einem verdienten Ausgleichstreffer im Wege. Die Entscheidung folgte zehn Minuten vor dem Ende: Zinnow schloss einen schnellen Konter eiskalt zum 0:2 ab, nachdem die Einheimischen zuvor in einer strittigen Situation keine zweite Chance vom Elfmeterpunkt zugesprochen erhielten. Endlich zeigten sich nun auch die Kickers-Supporter als lautstarker Anhang, sodass der Osttrip doch noch als gelungen angesehen werden konnte.