Montag, 24. Mai 2010

FC Glarus 5 FC Landquart-Herrschaft 0

2. Liga regional (OFV)
Sportplatz Buchholz, Glarus
Zuschauer: 200 (-)


Zum Abschluss des Tages ging es für meine Wenigkeit zum allerersten (!) Mal in den Kanton Glarus. Von hohen Gebrigszügen eingeschlossen, erlebte der lokale Fussballclub vor 20 Jahren seine goldenen Zeiten: Unter Spielertrainer Wolfgang Frank wurde 1988 die Promotion in die Nationalliga B realisiert. Als der deutsche Übungsleiter nach einer halben Saison in der zweiten Spielklasse nach Aarau weiterzog, übernahm mit Hans-Peter Briegel wiederum ein (damaliger) Trainerneuling an der Seitenlinie. Insgesamt vier Spielzeiten vermochte sich Glarus in der NLB zu halten, was in der ewigen Rangliste zu Platz 61 reichte. Der weitläufige Ground kann heutzutage immerhin noch mit acht ungedeckten Stehstufen in der Mitte einer Längsseite entzücken - einem Cupspiel gegen GC sollen hier früher (1991) einmal mehr als 8000 Zuschauer beigewohnt haben.



Heutzutage krebst Glarus - im Schatten vom FC Linth 04 - in der fünfthöchsten Liga herum, um sich in einem unbedeutenden Spiel zweier Equipen aus dem Tabellenmittelfeld mit Landquart-Herrschaft (aus einer Fusion zwischen dem FC Landquart und dem FC Malans/Maienfeld im Jahr 2001 entstanden) zu messen. Die Einheimischen gingen dabei schon in der zehnten Spielminute durch einen Foulpenalty in Front; danach wurden zahlreiche Grosschancen kläglich vergeben. Aufgrund der offensiven Inexistenz der Gäste aus dem Kanton Graubünden wirkten sich diese Nachlässigkeiten allerdings nicht negativ aus - und nach einem Doppelschlag in der Mitte der zweiten Halbzeit war der Landquarter Widerstand endgültig gebrochen; mit einer missglückten Kopfballabwehr bewerkstelligten sie den vierten Gegentreffer gleich selbst. Fünf Minuten vor Abpfiff wurde der Endstand mit einem herrlichen Schlenzer in den entfernten Winkel fixiert.

Sonntag, 16. Mai 2010

Abschied von der grossen Bühne...

Axpo Super League
Stadio Comunale, Bellinzona
Zuschauer: 2700 (400)


Ein sinnloses Spiel? Nein, niemals! Das Aarauer Abschiedsspiel in der Nationalliga A, vom Verband eigentlich als ""kleine Finalissima" vorgesehen, avancierte zu einer würdigen Verabschiedung einer grossen Ära der Unabsteigbaren. Im Gästesektor gab es im Laufe des Spiels mehrere Aktionen mit pyrotechnischen Artikeln zu bestaunen, begleitet von einem Fahnenmeer in den Clubfarben. Auch auf dem grünen Rasen wirkte Aarau befreit, was zu zwei sehenswerten Treffern von Lang (10.) und Marazzi (24.) führte. Auch der Tessiner Anschlusstreffer zu Beginn des zweiten Durchgangs wusste die lockere Stimmung im Aarauer Sektor nicht mehr zu trüben. Wir kommen wieder.



U21-Update (3:0-Heimsieg gegen Malcantone): Auch die grössten Nachwuchstalente im Aargau werden sich womöglich bald von ihrer bisherigen Spielklasse verabschieden müssen, was allerdings mit dem sportlichen Höhenflug der Equipe von Ranko Jakovljevic zusammenhängt. Im Heimspiel gegen Malcantone war die Aarauer Hintermannschaft wieder einmal nicht zu bezwingen, so dass der Führungstreffer durch Skopljak (17.) schon einer kleinen Vorentscheidung gleichkam. In der Schlussphase war es einem "alten Hasen" mit dem Künstlernamen Gil - hauptberuflich im Verein als Platzwart tätig - vorbehalten, innert fünf Minuten zweimal unbedrängt einzunetzen.

Samstag, 15. Mai 2010

FK Banik Sokolov 1 FK Viktoria Žižkov 2

Druhá Liga
Stadion FK Banik Sokolov, Sokolov
Zuschauer: 1080 (30)


Von Würzburg ging es in östlicher Richtung zügig weiter durch den bayrischen Freistaat auf der Suche nach einem geeigneten Nachtquartier, welches sich schliesslich unweit der Grenze im tschechischen Städtchen Cheb (Hotel Monika, 15 Euro pro Person) finden liess. Am nächsten Morgen wurde unsere Reisegruppe durch Cliff (aus Erfurt) komplettiert, der seine Aufgabe als personifiziertes Navigationssystem auf dem Weg nach Sokolov zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllte. Nun war also nicht mehr zu verhindern, dass wir uns - samstags um 10.15 Uhr - einem wenig bedeutsamen Spiel der zweithöchsten Liga in der Tschechischen Republik hingaben.



Beide Mannschaften waren nicht mehr aus dem Niemandsland der Tabelle zu verdrängen, was womöglich zu erklären vermag, wieso der Gästeanhang grösstenteils mit einer halben Stunde Verspätung eintraf. Zu diesem Zeitpunkt lag Banik (dt. Bergbauarbeiter) Sokolov - durch eine Handvoll Supporter auf der Haupttribüne (mit Trommeln und Tröten) regelmässig unterstützt - durch einen blitzsauberen Konter schon mit 1:0 in Führung (22.). Im zweiten Durchgang kam Viktoria Žižkov aber zu einem raschen Ausgleichstreffer, nachdem ein Gästestürmer aus zwei Metern an den Pfosten geköpft hatte, aber im Nachsetzen doch noch einnetzen konnte.



Und es sollte noch besser kommen für den Quartierverein aus Prag: Zuerst wurde eine irreguläre Abwehraktion der Gäste (in bester Volleyballmanier!) im eigenen Strafraum vom Schiedsrichter grosszügig übersehen, wenig später markierte Viktoria Žižkov durch einen unbedrängten Kopfball sogar den 2:1-Siegestreffer, woraufhin sich im winzigen, aber reichlich beflaggten Gästesektor ausgelassene Jubelszenen abspielten - sogar eine kleine Menge roter Rauch wurde in die Freiheit entlassen; zu diesem Zeitpunkt waren die Gesänge der heimischen Fans schon lange verstummt.



Der Ground ohne spezifische Namensbezeichnung ist Bestandteil des örtlichen Sportkomplexes von respekabler Grösse (mit Eishockeyhalle, Tennisplätzen etc.) und vermag mit einem hübschen Ausbau zu überzeugen: Die überdachte Haupttribüne verfügt über sieben Reihen mit gelben und schwarzen Sitzschalen; auch auf der Gegenseite lassen sich vor dem mächtigen Vereinsgebäude mehrere Sitzreihen (mit provisorischer Überdachung) in dunkelgrüner Bemalung ausmachen. Eine Tartanbahn sorgt für eine Weitläufigkeit der beiden Kurven mit zehn Stehstufen älteren Datums, wobei Letztere auf einer Hintertorseite von einem riesigen Graswall "verschluckt" werden.

SpVgg Weiden 2 FC Bayern Alzenau 2

Regionalliga Süd
Stadion am Wasserwerk, Weiden
Zuschauer: 443 (-)


Es war zu erwarten, dass der Abschluss zum ultimativen Härtetest dieser Wochenendes werden würde. In Weiden musste ein anständiger Ground nach dem Aufstieg in die Regionalliga in eine seelenlose Arena verwandelt werden, um die DFB-Lizenzbedingungen zu erfüllen. Dazu mussten die alten, überwachsenen Stehstufen (aus Holzbalken) verschwinden, sodass inzwischen zehn blanke Betonstufen auf drei Seiten verlaufen; nur an der überdachten Tribüne - mit acht Reihen an dunkelgrünen Sitzschalen - ist die Modernisierung ziemlich spurlos vorbeigegangen. Allerdings ist die Sinnhaftigkeit dieser Umbaumassnahmen umso fragwürdiger, wenn man sieht, dass sich schliesslich nur wenige Hundertschaften an Zuschauern im grosszügigen Stadion verirren.



Aber auch die Einheimischen dürften kaum Werbung in eigener Sache gemacht haben, als sie mehrheitlich Nachwuchsakteure auf den grünen Rasen stellten, um den sportlichen (Null-)Wert dieser Kehrauspartie zu unterstreichen. Einige Spieler waren masslos überfordert, doch der fixe Absteiger von Bayern Alzenau - als grosser Traditionsverein natürlich ohne Anhang angereist - wusste seine Chancen vorerst nicht zu nutzen. Auf Seiten der Oberpfälzer ist anzumerken, dass ein Bereich auf den Stehrängen explizit als "Fanblock" ausgeschildert ist, doch die zwei aktiven Gestalten (mit Schwenkfahne und Trommel) heute nur äusserst selten zu vernehmen waren.



Die Überlegenheit des Tabellenletzten gipfelte nach Ablauf einer Stunde Spielzeit im verdienten Führungstreffer - durch einen samstäglichen Sonntagsschuss in den linken Winkel. In der Folge liessen die "kleinen Bayern" nach: Die heimische Spielvereinigung kam durch ein Kopfballtor zum geschenkten Ausgleichstreffer und wenige Zeigerumdrehungen später lag das Spielgerät erneut im Netz der Gäste, nachdem der Torhüter einen harmlosen Ball aus den Händen gleiten liess. Weil Bayern Alzenau allerdings niemals aufgab, war die Egalisierung des Ergebnisses zwei Minuten vor dem Abpfiff schliesslich aber mehr als verdient. Und das Leiden der Zuschauer war doch noch mit einer attraktiven Schlussphase belohnt worden, die das Erscheinen zu rechtfertigen wusste.

Freitag, 14. Mai 2010

FC Kickers Würzburg 1 1. FC Schweinfurt 05 0

Landesliga Bayern Nord
Kickers-Stadion am Dallenberg, Würzburg
Zuschauer: 1150 (250)


Nach einer schlaflosen (Abstiegs-)Nacht war Ablenkung gefragt. Umso vorausschauender, dass man sich vorgängig schon mit Stecki auf eine zweitägige Auslandstour verständigt hatte. Die Hinfahrt wurde mit Hilfe der Deutschen Bahn halbwegs im zeitlichen Rahmen gestaltet, so dass man pünktlich mit dem Eintreffen der einheitlich in Grün gekleideten Gästefans im Kickers-Stadion am Dallenberg - in der Saison 1977/78 auch schon Austragungsort von Partien der 2. Bundesliga Süd - stand. Die ruhmreiche Vergangenheit zeigt sich auch im grosszügigen Ground, der durch eine zweigeteilte Haupttribüne begeistern kann. Im unteren Bereich wurden rote Sitzschalen (mit dem weissen Schriftzug "FWK") montiert, oberhalb verlaufen einige Stehstufen, deren Lage für eine gute Akustik verantwortlich ist. Auf den übrigen Seiten verlaufen durchgehend mehr als ein Dutzend mit weissen Wellenbrechern versehene Stehstufen ohne Überdachung.



Inzwischen waren mit Andrea und Stecki auch die restlichen Mitglieder der Reisegruppe am südlichen Stadtrand von Würzburg eingetroffen, um die sehenswerten Intros der verfeindeten Fangruppen zu beäugen. Die Gastgeber wussten in Sachen Kreativität zu punkten, indem sie riesige Würfel mit dem Gründungsjahr der Würzburger Kickers über die Tribüne rollen liessen, unterstützt durch die beiden Spruchbänder "Die Würfel sind gefallen - für immer FWK" bzw. (beschwerlich zu lesen) "Für immer Landesliga. Das ist uns allen klar" und kleinere Mengen an Papierschnipseln. Die "Kaputte Moite" aus Schweinfurt zog derweil eine grün-weisse Blockfahne mit mehreren Motiven (Stadionverbote stoppen bzw. Freiheit für die Kurve) hoch - ebenfalls begleitet durch eine textliche Botschaft ("Fight für your Right"), um nach dem Verschwinden dieser Blockfahne ein breites Sortiment an Doppelhaltern und Schwenkfahnen zu zeigen.



Das unterfränkische Derby der sechsthöchsten Spielklasse erwies sich auch auf dem grünen Rasen als packende Angelegenheit: Nach einer halben Stunde musste sich ein heimischer Akteur nach einer Tätlichkeit frühzeitig unter die Dusche verabschieden, doch im direkten Anschluss traf Würzburg nach einer zögerlichen Intervention des Gästekeepers mit der ersten Gelegenheit zum 1:0. Der Zwischenstand täuschte darüber hinweg, dass die Schnüdel zuvor besser waren - und es auch nach dem Seitenwechsel blieben. Aber Schweinfurt - mit dem FWK-Rivalen Würzburger FV freundschaftlich verbunden, aber gleichzeitig um den Aufstieg in die Bayernliga kämpfend - vergab auch nach einem zweiten Platzverweis gegen Würzburg munter weitere Torchancen. Und als der Ausgleich schliesslich endlich Tatsache schien, sorgte der heimische Torhüter mit einem sensationellen Reflex (mit Hilfe der Querlatte) für die Sicherung der Würzburger Führung.



Nachdem Schweinfurt auch noch einmal am linken Torpfosten gescheitert war, setzte die übliche Frustbewältigung ein, die den Gästen ebenfalls eine Ampelkarte einbrachte. Der fehlbare Spieler nutzte seinen Abgang für verbale Provokationen in der Richtung der Würzburger Ersatzbank, was die Szenerie zusätzlich anheizte. Die Brisanz dieses Lokalduells war schon im Laufe der intensiven Begegnung klar geworden, als sich Kickers-Ersatzspieler beim Aufwärmen mit den gegnerischen Fans anlegten. Letztere überzeugten durchwegs mit einem abwechslungsreichen Support, der die Bemühungen der Würzburger sowohl akustisch als auch optisch zu übertreffen vermochte. Am Sieg der Gastgeber änderte sich natürlich nichts mehr, was die heimischen Supporter mit ihren Spielern auf dem Spielfeld feierten. Dies zog wiederum das "Interesse" einiger Gästefans nach sich, doch das grosse Polizeiaufgebot liess keine direkte Konfrontation mehr zu.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Der Mythos ist tot...!

Axpo Super League
Stadion Brügglifeld, Aarau
Zuschauer: 7900 (1500)


Fertig. Ende. Aus. Um 22.06 Uhr war der letzte Vorhang gefallen. Das Schreckensszenario, in den letzten Wochen trotzig aus den Köpfen verdrängt, war nun doch eingetreten. Nach 29 Jahren muss sich der FC Aarau aus der höchsten Spielklasse des Landes verabschieden; abgesehen vom heutigen Kontrahenten aus Zürich spielte zuletzt kein Verein länger ohne Unterbruch in der NLA. Der schicksalshafte Abend stand von Anfang an unter einem sehr schlechten Stern: Nachdem Bellinzona in St. Gallen schon nach 17 (!) Sekunden in Führung gegangen war, richteten sich fortan alle Blicke auf den Totomat - im Wissen, dass die Aarauer ebenfalls gewinnen müssen, falls sich der direkten Rivale drei Punkte sichern sollte. Aber auch den heimischen Spielern schien es nicht zu gelingen, ihre Konzentration nachhaltig auf das eigene Spiel zu richten,...



,...um die zurückhaltenden Gäste aus Zürich, deren Europapokal-Qualifikation schon länger feststand, in Bedrängnis zu bringen. Das Schicksal nahm seinen Lauf, als die Hoppers mit einer halben Chance durch Zuber in Führung gingen. In der Mitte der zweiten Hälfte mussten selbst geborene Optimisten resignieren, nachdem Aarau-Keeper Benito mit einem übermotivierten Ausflug einen Strafstoss in selten dämlicher Manier verursacht hatte - 0:2. Und Bellinzona lag weiterhin in Front. Nun fielen Tore fast im Minutentakt: Ben Khalifa, Mustafi und ein 15-jährige Jüngling namens Adili trafen ins Schwarze. An der allgemeinen Situation änderte sich nichts mehr. Der Abstieg war besiegelt. Einige Fans versuchten ihren Frust auf dem Rasen zu verarbeiten, insgesamt überwog aber die riesige Fassungslosigkeit über den ersten Abstieg seit 1954.



Einen würdigen Abschluss erfuhr das legendäre Stadion Brügglifeld durch die Supporter vom Grasshopper Club Zürich: Als Intro wurde der Gästeblock vollständig in ein blau funkelndes Blättermeer verwandelt, aus dem mit Doppelhaltern silbern "GC Züri" herausragte. Am Zaun war gleichzeitig "Mini grossi Liebi gib ich niemals uf" zu lesen. Im Laufe des Spiels überzeugte die GC-Anhängerschaft mit mehreren Einlagen der pyrotechnischen Sorte. Die Stimmung in den heimischen Sektoren war verständlicherweise von den negativen Ereignissen auf dem Spielfeld getrübt, so dass sich eine lethargische, fast schon komatöse Atmosphäre ausbreitete.

Sonntag, 9. Mai 2010

SV Babelsberg 03 1 Hallescher FC 0

Regionalliga Nord
Karl-Liebknecht-Stadion, Potsdam
Zuschauer: 2438 (270)


Weil man sich ja sonst nichts gönnt, sollte es auf dem Luftweg nach Berlin bzw. Potsdam gehen, wo sich Babelsberg 03 mit einem Heimsieg in die 3. Liga schiessen konnte - perfektes Timing, nachdem man die Anreise mit Easyjet schon vor längerer Zeit ohne Wissen um die sportliche Ausgangslage fixiert hatte. Vor Ort wusste die lockere Atmosphäre im Karl-Liebknecht-Stadion, benannt nach einem antimilitaristischen Berliner Sozialisten, zu gefallen. Der Ground verfügt über eine (teil-)überdachte Tribüne mit roten und schwarzen Sitzschalen; auf den übrigen Seiten verlaufen mehr als ein Dutzend Stehstufen. Eine einzigartige Konstruktion im "KarLi" sind die einklappbaren Flutlichtmasten, die das Stadion im Rahmen einer Sanierung im Jahr 2002 erhielt, um die Sicht auf das lokale Unesco-Weltkulturerbe (Babelsberger Park) nicht zu gefährden.



Die erstmalige Aufstiegschance - nachdem Verfolger Wolfsburg II am Vortag in Hamburg gepatzt hatte - schien "Nulldrei" allerdings eher zu hemmen. Die Einheimischen waren gegen schon in der Sommerpause befindliche Hallenser zwar mehrheitlich überlegen, doch die offensiven Bemühungen verliefen sich jeweils im Sande. Die Erlosung folgte in der 75. Minute, als Topscorer Frahn seine Farben aus kurzer Distanz in die 3. Liga schoss - mit seinem 27. Saisontreffer, womit sich der gebürtige Postdamer für mehr als die Hälfte aller Babelsberger Tore (50) verantwortlich zeigte. Das Aufstiegsspiel war jedoch von einer paradoxen Stimmung begleitet: Nur in der Schlussphase waren vereinzelte Anfeuerungsrufe von den heimischen Rängen zu vernehmen, ansonsten war die Babelsberger Szene akustisch und optisch inexistent. Dies war auch dem Schreiberling auf der offiziellen Club-Website nicht verborgen geblieben ("Ich glaube, ich habe noch nie so einen seltsamen Aufstieg eines Vereins in den bezahlten Profifussball miterleben dürfen.").



Die entsprechenden Zusammenhänge dürften von grosser Komplexität sein: Vor den Stadiontoren hatten sich einige "Inhaber" von Stadionverboten versammelt, in Innern dürfte das Spruchband ("Die Logik der Security: Die Pyro brennt, der Neger wars") auf die dazugehörigen Ereignisse angespielt haben. Der Lärmpegel ging folglich von den Gästen aus Sachsen-Anhalt aus: Nach einem ansprechenden Intro (mit vielen Doppelhaltern und Schwenkfahnen) gaben die Hallenser Supporter ihr abwechslungsreiches Liedgut zum Besten, wobei die Gesänge im Laufe des Spiels tendenziell abnahmen, nachdem in den fünfundzwanzig Minuten zu Beginn noch ohne Unterbruch gesungen wurde. Nach dem Abpfiff suchten einige Gästefans erfolglos, weil durch hohe Zäune getrennt, die Konfrontation mit der Babelsberger Anhängerschaft, nachdem sich zuvor angesichts der unterschiedlichen politischen Orientierung schon verbale Provokationen ereignet hatten.

Samstag, 8. Mai 2010

FC Hilal 1 FC Buttikon II 3

5. Liga regional (FVRZ)
Sportplatz Katzenbach, Zürich
Zuschauer: 20 (-)


Im Nachhinein fällt es schwer zu ergründen, wie es gelang, die Motivation für diese Begegnung der (aller-)untersten Spielklasse in der Stadt Zürich zu finden. Es dürfte eine Mischung aus einer unkonventionellen Anspielzeit (Samstag, 14.30 Uhr), einem Ground über den Minimalanforderungen (immerhin bis zu fünf Stehstufen auf einer Längsseite) und den günstigen Wetterbedingungen gewesen sein. Die arabischen Gastgeber von Hilal ("Halbmond") - nicht zu verwechseln mit dem zwölffachen Meister aus Saudi-Arabien, der den gleichen Namen besitzt - gingen in der siebten Spielminute verdient in Führung, nachdem zuvor schon einige Chancen vergeben wurden.



Die zweite Mannschaft von Buttikon wusste das Spielgeschehen mit zunehmender Spieldauer immer mehr in die eigenen Hände (oder Füsse) zu nehmen, was in der Mitte der ersten Hälfte mit dem Ausgleichstreffer belohnt wurde. Und zwei Minuten vor dem Seitenwechsel kamen die Gäste mit Hilfe des Innenpfosten sogar zum glückhaften Führungstor. Der zweite Durchgang begann wiederum mit einer (erfolglosen) Druckphase der Einheimischen, doch den letzten Treffer des Tages erzielte wiederum Buttikon II, als ein schöner Angriff aus kurzer Distanz vollendet wurde. Person des Tages: Ein Araber, der das Wasserpfeifenrauchen direkt an der Outlinie zelebrierte.

Freitag, 7. Mai 2010

FC Perlen-Buchrain 9 FC Kerns 0

3. Liga regional (IFV)
Sportplatz Hinterleisibach, Buchrain
Zuschauer: 120 (-)


Angesichts des drohenden Saisonendes galt es schon einmal potentielle Aufsteiger in die 2. Liga zu sichten, wobei der Freitagabend mit einem Besuch im luzernischen Buchrain - drei ungedeckte Stehstufen auf einer Längsseite - sinnvoll gestaltet werden konnte. Die Gastgeber, trainiert von der YB-Legende Thomas Häberli, konnten sich heute Abend durch einen Sieg gegen das inferiore Schlusslicht aus Kerns vorzeitig für die IFV-Aufstiegspoule qualifizieren. Es sollte (wie erwartet) eine sehr einseitige Angelegenheit werden: Nach sieben Spielminuten lag Perlen-Buchrain schon zwei Längen voraus, zwei weitere Treffer (11./14.) in der Startphase wurden vom Schiedsrichter, dem die heimischen Blitzangriffe öfters Schwierigkeiten bereiteten, wegen vermeintlichen Offside-Positionen annulliert. Oder war es schlichtweg sein Mitleid mit den überforderten Gästen...?



Zum Spieler des Tages avancierte der ehemalige NLB-Akteur Michael Budmiger (SC Kriens), als er zwischen Spielminute 18 und 24 drei weitere Tore erzielte, nachdem er sich bereits für das 2:0 verantwortlich gezeigt hatte. Die Obwaldner Gäste zeigten durchwegs null Gegenwehr - nur dank der durchzogenen Chancenauswertung fiel der Pausenstand nicht noch höher aus. Im zweiten Umlauf dauerte es nicht einmal zwei Minuten, als das Leder nach einem herrlichen Freistoss von der Strafraumgrenze erneut im Netz lag - 6:0. Danach passte sich auch Perlen-Buchrain immer mehr dem inferioren Gegner an, wodurch auch das angestrebte "Stängeli" (zehn Tore) verpasst wurde. Nichtsdestotrotz trafen die Gastgeber aber noch dreimal ins Schwarze, wobei auch Topscorer Budmiger noch einen fünften persönlichen Torerfolg verbuchen konnte.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Wer die Tore nicht schiesst...

In seiner Rolle als FCA-Interimstrainer musste Ranko Jakovljevic nach 332 (!) Minuten erstmals einen Gegentreffer hinnehmen, was sich beim Auswärtsspiel gegen Luzern (0:4) als Knackpunkt erweisen sollte. Nach dem Penaltytreffer von Chiumiento traf Luzern nämlich noch dreimal ins Schwarze, so dass die erste Aarauer Niederlage nach drei Siegen in Folge zur Tatsache wurde. Nur drei Tage später - inzwischen wurde Aarau vom ehemaligen Sportchef und UEFA-Pro-Lizenz-Inhaber Fredy Strasser "trainiert" - wiederum war die fehlende Effizienz für einen Misserfolg im Abstiegskampf verantwortlich. Die Aarauer verpassten mehrmals knapp - und Basel schoss im Gegenzug dreimal ein, was von den Gästefans mit regelmässigen Pyroaktionen gefeiert wurde.


Bildlegende: Aarauer Gästeblock beim Auswärtsspiel in der Innerschweiz - 0:4 gegen Luzern.

U21-Update: Es war folglich wieder einmal zur Aufgabe der Nachwuchsequipe geworden, dass es doch noch etwas zu bejubeln gab. Nach zwei sieglosen Spielen in Folge gab es einen souveränen 2:0-Heimsieg gegen das Schlusslicht aus (Unter-)Aegeri, auch wenn die Treffer erst im Laufe der zweiten Halbzeit fielen. Eine Woche später gab es auf dem Kunstrasenplatz im Aarauer Schachen auch für Ibach nichts zu holen, was in der Linie einem bärenstarken Auftritt von Reservist Dominik Trost zu verdanken war, der die beiden Aarauer Tore in einer spannenden Begegnung erzielte.